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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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ein simpler Gartenzaun kein Hindernis für ihn sein.... Bert prüft noch kurz seine Uhr: es ist ein Viertel vor vier, also spät genug, um endlich unter Dach und Fach zu kommen; denn in solch einem Landstädtchen können die ersten Frühaufsteher um diese Zeit schon aus den Federn sein.

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Den Mantel hochhebend, ist er nach einem Blick in die Runde flugs an dem Eisenzaun hochgeklettert und mit weitem Schwunge im weichen Erdreich des Vorgartens gelandet. Ein paar Schritte noch und das buschige Gezweig des Flieders und Holunders nimmt ihn auf. Damit ist er der Sicht des feindlichen Draußen ent­zogen. Soweit wäre es gottlob geschafft. Das Weitere hängt nun von Sr. Hochwürden, dem Herrn Pfarrer, ab.

Aber wie sich diesem bemerkbar machen? Berts Blick gleitet an der Fassade des Hauses entlang, dessen Putz und Stuck reichlich dem Abblättern zuneigen; er entdeckt nur blank geputzte, aber stumpfe Fenster, wie sie die Verdunklung hinter ihren Scheiben erscheinen läßt kein Lichtschimmer, der ihm verraten könnte, wo sich das Arbeitszimmer oder der Schlafraum des geist­lichen Herrn befindet. Über allem liegt der feierliche Ernst von etwas Abgestorbenem, von Weltabgeschieden­heit.

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Bert möchte zu dem Dienst, den der Pfarrer ihm nach Iřinas Andeutung zu leisten bereit sein soll und der gewiß nicht unbedenklich ist nicht noch ein Vorgehen gesellen, das der Sicherheit des Geistlichen zuwider läuft.... Er versucht es daher mit einem leisen Pfiff, den er nach einigen Minuten wiederholt, als sich nichts in dem stillen Hause regt... ein drittes Mal, wesentlich lauter als vorher, probiert er noch, aber ebenso ver­geblich wie vorher

Noch öfters darf er die Pfeiferei nicht wagen, ohne Gefahr zu laufen, sich auffällig zu machen. Es heißt nun einfach warten. Vielleicht sieht der Pfarrer aus eigenem Antriebe von Zeit zu Zeit heraus.... Die Stille der Umgebung und seine relative Geborgenheit tun Bert anfänglich wohl; aber mit der enteilenden Zeit wächst