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Nun heißt es das Pfarrhaus zu finden. Keine allzu schwere Aufgabe sicherlich, sobald man den Kirchturm, der spitz die altertümlichen Dächer überragt, im Auge behält. Zum ersten Male schreitet Bert wieder seit langer Zeit nach seinem eigenen Willen, ohne fremde Lenkung, einen gepflasterten Gehsteig entlang. Die Tritte seiner schweren, allzu großen Stiefel hallen auf den Steinplatten. Bert sieht auf die fest verschlossenen Haustüren und denkt zwangsläufig an die Erzählung Iřinas, in welcher Weise die pfiffigen Einwohner dieser Häuschen von ihrer unbehaglichen Nachbarschaft, dem Kz, zu profitieren wissen nichts auf Erden ist bekanntlich so verabscheuungswert, als daß abgebrühte Mitmenschen nicht daran ihr Süppchen zu kochen verständen... wieviel gutes Geld mögen sie aus der Seelennot geängstigter Angehöriger von Lagerinsassen schon mit Kniffen und Tricks herausgeholt haben?
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Nach zehn Minuten bedächtigen und nahezu sorglosen Schreitens denn hier wäre es ja grundfalsch gewesen, in seiner Verkleidung etwa heimlich zu tun steht Bert vor einem breit hingelagerten Wohnhause im Barockstil mit festungsartig dicken Mauern still: ein buschreicher Vorgarten deckt das zur ebenen Erde gelegene Geschoẞ fast vollkommen zu. Der niedrige Eisenzaun wird leicht zu übersteigen sein, denkt der uniformierte Mann, dessen Blick über das Ganze hinwegfliegt... falls die wacklige Tür, rostzerfressen, wie sie ist, sich nicht unauffällig öffnen lassen sollte.
Das muß es sein, das Pfarrhaus, an das ihn Iřina verwiesen hat; denn es verbindet sich so sachlich mit der gleichaltrigen Kirche wie ein Verwalterhaus mit dem Schloß des Gutsherrn. Der Umsicht zuliebe geht Bert noch ein gutes Stück über die Kirche hinaus, aber kein Bau zeigt sich, der Anspruch darauf erheben könnte, das Pfarrhaus zu sein.
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Also Angriff auf das erstere! Die Gartentür sträubt sich eigensinnig, ihm zu Willen zu sein soll sie es bleiben lassen! Wenn er über zwei hohe Stachelzäune im unmittelbaren Bereich von MG.'s geklettert ist, wird


