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geschwungen ist, als ob er jeden Augenblick auf ihn losradeln wolle, stößt der Alte einen jähen Laut des Schreckens aus und flüchtet, tief gebückt, aus dem grellen Licht der Straßenlampe inmitten des Fahrweges in den Schatten des nächsten Hauses... so überstürzt, daß Bert sich verblüfft frägt, wer von ihnen beiden wohl das schlechtere Gewissen haben möge--
Aber nun nicht länger aufgehalten! Resolut tritt er in die Pedale und fährt davon. Mit leisem, willigem Schnurren trägt ihn die Maschine in die Mitte der Fahrbahn und auf dieser in flottem Rollen vorwärts. Am Ende der Straße der SS .' begegnet ihm richtig ein Scharführer, der zum Frühdienst zu eilen scheint. ein rascher Gruß mit erhobener Rechten, und beide sind aneinander vorbei.
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Die Kolonie kleiner, putziger Pensionistenhäuschen nimmt ihn auf. Blinde, abgedunkelte Fenster blicken auf ihn nieder, ausgeplünderte Vorgärten, vom Wintereinbruch verwüstet, breiten sich davor flott, flott, hindurch! Links liegt schon der Dachauer Bahnhof. Die Straße führt am Postamt vorbei zur Gleisunterführung und dem alten Städtchen zu, dessen malerische Anlage an einer Hügellehne er von früheren Wanderfahrten her kennt.
Dort liegt das breite, massive Schloß, so recht ein Kennzeichen des derben, trotzigen Menschenschlages, der hier haust. Um den kleinen Marktplatz reihen sich altersmüde Häuserchen aneinander. Sie tragen ihr Los so ergeben wie resignierte Häftlinge.... Hier und da hallt noch ein schwerer, abschwellender Schritt von Nagelstiefeln über Katzenköpfe herüber; dann liegt wieder das tiefe, bäuerische Gähnen der Nachtruhe über dem Ganzen. Selbst Eulen und Fledermäuse scheinen zu fehlen.
Eine einzige Mittellampe beleuchtet den Marktplatz. Der falsche SS.- Mann steigt hier vom Rade und stellt es in die Toreinfahrt des Wirtshauses, um den Eindruck zu erwecken, als habe irgendein schwer geladener Zecher es in seinem Dusel stehen gelassen.


