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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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des Turmes, verursacht durch die helle Lampe an seiner Vorderseite, ihm gute Deckung gibt. Hier streift er zunächst die lästige, nasse Hose herunter, trocknet sich Leib und Beine mit dem Tuchrock ab und zieht sogleich die dunkelblaue Unterwäsche wieder an. Die Häftlings­kleidung hat damit endgültig ihren Dienst getan und muß beseitigt werden. Bert läßt sie hinunter in das Bachbett gleiten und sieht mit Befriedigung zu, wie die Wellen beide Stücke ergreifen und mit sich fort­reißen nur das eigene Taschentuch, das Rauchzeug und den Ballen Guttapercha hat er behalten, letzteren aber nicht, um ihn nochmals zu gebrauchen, sondern aus der Erwägung heraus, daß die Stücke gefunden werden könnten und das Material in ihrer Tasche den Capo der Elektriker sofort mit dem Verdacht belasten würde, Berts Flucht begünstigt zu haben.

Was nun weiter? Aus dem inneren Lager ist er gottlob heraus. Wenn er sich aus seiner Hockerstellung aufrichtet, sieht er drüben schon die große Zahl be­wohnter oder erst halbfertiger Baracken der sogenannten , K.L.- Verstärkung' liegen, zu denen auch der Wohnblock seines Widersachers, des brutalen Scharführers gehört- sein eigenes Ziel jetzt. Hier liegt ja auch das Feld seiner ersten Capotätigkeit unter den Fittichen von Schnell­Max.

Aber das ansteigende Ufer des Flußbettes und erst recht den hinter ihm verlaufenden zweiten Drahtzaun kann der Turmposten wiederum unbehindert durch sein rückwärtiges Fenster überblicken und mit seinen Waffen beherrschen. Dieser zweite Drahtzaun ist zwar harm­loser, auch ohne Stromladung und mit weiter stehenden Stacheln versehen als der erste, aber er will eben doch in seiner dreieinhalb Meter Höhe überklettert sein- und das ist wieder verflixt auffällig.

Angehen muß er jedoch die Sache, da hilft kein Zögern, komme, was kommen mag.... Um seine Nerven abzulenken, damit die Glieder inzwischen um so präziser und mechanischer ihre Arbeit verrichten, denkt Bert so eingehend als er vermag, an Iřina und ob sie ihm