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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Nickerchen halten... der Himmel bewahre ihm seinen Schlaf!

Aber das Licht aus dem nahen Haupttor ist fatal. Es beleuchtet den Rasen der, neutralen Zone' derartig hell, daß Bert neben der Gefahr wenigstens den einen Vorteil hat, alles vermeiden zu können, was knistern, knacken, rascheln oder gar poltern könnte.... So geht es ein paar Minuten mit zusammengebissenen Zähnen dahin, im Bewußtsein, daß nichts ihn retten könne, wenn er jetzt durch irgendein Pech auffallen würde. An nichts, absolut nichts jetzt denken, schärft er sich ein. Nur vorwärts mit allem Bedacht., Quand on agit, on ne s'explique pas'!

Schließlich ist auch dies prekäre Stück glücklich überwunden. Er befindet sich nun so nahe am Fuße des Turmes, daß der Posten von oben sich schon völlig herauslehnen müßte, um ihn zu sehen. Und gleich an der Rückseite des freistehenden Turmes beginnt der Abfall zum Wildwasser herunter, der Amper oder eines Teils von ihr, der hier vorbeigeleitet worden ist. Auf den flinken, kleinen Wellen des dahinschießenden Wassers hüpft und zittert das Licht vom Turm in munteren Sprüngen. Eine feuchtkalte Luftschicht liegt über dem zementierten Bett des Gewässers, das ungefähr fünf Meter Breite besitzt.

Behutsam rutscht der Flüchtling die steile Böschung hinab bis kurz vor den Wasserspiegel, macht Halt und wirft seine Unterkleider mit kräftigem Schwunge hinüber ans andere Ufer. Kaum sieht er sie drüben griffbereit im Grase liegen, so taucht er selbst in das eiskalte Berg­wasser ein, das ihm bis zu den Hüften reicht.

Leises Murmeln und etwas Glucksen von seinem langsamen Schreiten im Flußbett sind nun um ihn wie ein Gruß aus den lieben Bergen. Wenige Schritte sind nur zu tun, bei denen aber der heftige Strom des Gewässers ihn umzuwerfen und mit sich zu reißen ver­sucht. Dann faßt er das drübige Ufer und klimmt hinauf, triefend vor Nässe,

Mit Vorbedacht landet er dort, wo der Schlagschatten