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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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das Licht des roten Lämpchens, das Bert eben noch verspottet hat. Und hinzu kommt vor allen Dingen das Auge des Posten oben am Ausguck, wo zwei Ma­schinengewehre herausragen- dieses Auge, das eigent­lich auf Bert gerichtet sein müßte, wenn der Posten auf dem Posten wäre... dann wär's gründlich, g'fehlt', bayrisch gesprochen!

Aber an diesen wunden Punkt hat Bert natürlich gedacht. Er weiß, daß er jetzt in seiner dunklen Kleidung, das ebenfalls dunkle Unterzeug geballt auf dem linken Arm, zu kriechen hat in aller erdenklichen Langsamkeit, nicht rascher als eine alte Schildkröte dicht vor dem Einschlafen.

Und er tut es wirklich so. Erst geht es über die bedenklich aufblinkenden Kiesel eines frisch geschot­terten Weges hinweg, der zum Glück nicht allzu breit ist. Dann über kurzen, zum Teil schon vergilbten Rasen. Die Abendnässe des Grases dringt durch seine Kleider, durchnäẞt kühlend den Körper, der sich von der An­strengung des Robbens erhitzt. Ihm tut es nichts, daß die Oberkleidung völlig durchfeuchtet ist, denn sie wird ja bald gänzlich naß werden, wenn er das reißende Bergwasser zu durchwaten hat. Nur die Unterkleidung soll leidlich trocken bleiben, deshalb schützt er sie nach Möglichkeit vor der Nässe

So oft hatte ihn und das ganze Lager in diesen Tagen der dichte Nebel aus den Hochmooren um Dachau herum eingesponnen, sehr zu seinem Unbehagen. Jetzt hätte er zur Stelle sein können, jetzt wäre er ihm eine Wohltat gewesen und eine immense Erleichterung seiner Aufgabe aber nein!

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Gottlob, der Posten oben auf seinem Ausguck inter­essiert sich nicht für die Welt zu seinen Füßen, wie es seine Pflicht wäre. Vielleicht ist es einer der betagten Landstürmer, die man zur SS. gepreßt hat und die den , Klimbim ohnehin nicht allzu ernst nehmen. Nun, da er weiß, daß die Ronde der Lagerpolizei vorbei ist und ihm nun weiter keine Kontrolle mehr bevorsteht, wird er wohl die Zeit als geeignet für ein kleines

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