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Bert beinahe beim Aufrichten zurückgetaumelt und um Haaresbreite in das Drahtgeflecht gesunken, dem er eben erst durch seine Kletterei entronnen ist. Doch rettet ihn ein schneller Ruck der Schultern seitwärts vor der Gefahr... so liegt er gottlob in dichtester Nähe der Stacheln am Boden und wälzt sich erst etwas vorwärts, bevor er sich erhebt. Auch dies wäre nun beendet.
Daß die abgegrenzten Baracken Nr. 2-8 schon seit ein paar Tagen von den letzten SS.- Truppen geräumt sind und nur noch der Reihe nach gesäubert werden, ist Bert zwar bekannt. Trotzdem ist der allgemeinen Umgebung wegen volle Geräuschlosigkeit seiner Bewegungen erforderlich. Wieder einmal horcht er zusammengeduckt auf, aber nichts rührt sich. Ringsum ist eine gähnende, geheimnisvolle Stille.
Vorwärts, weiter! Auf dem groben Kies, der diese Baracke wie alle anderen umgibt, pirscht Bert nun bis zu einem kräftigen Schlagschatten an der Stirnseite des Blockes. Als er ihn erreicht hat, hält er nochmals kurz inne, um die Umwicklung von Füßen und Händen zu entfernen. Das nun nutzlos gewordene Zeug steckt er in die Hosentasche, zieht flugs Rock und Hose aus, ebenso das dunkelblaue Flanellhemd aus der Lagerkammer und die gleichfarbige Unterhose, schließlich auch noch die Socken, so daß er für eine Sekunde splitternackt dasteht und fröstelt.. Aber blitzschnell sind Oberhose und Rock nebst Hausschuhen wieder angezogen, während das Unterzeug auf seinem Arm zu liegen kommt. Alles dies ist gut und genau bedacht worden.
Bert weiß, daß nun das zweite, recht gefährliche Teilstück seiner Flucht folgt, nämlich die Überquerung der sogenannten, neutralen Zone' und des zu ihr gehörigen Bergwassers angesichts des vor ihm ragenden Wachtturmes und des nahen Haupttores mit seiner Nachtwache von mehreren Scharführern.
Am zweistöckigen Wachtturme, einem der vielen an der langen Lagergrenze, brennt eine starkkerzige Glühlampe. Ihr Strahlen ist wesentlich unerbittlicher als


