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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
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Stiefel an die Füße. Die weichen Filzschuhe Dachauer Fabrikats sind besser und leiser.

Nun muß er zu der schweren Eingangstür des Blockes hinaus. Nicht umsonst hat er sich in den verflossenen Tagen darin geübt, die Tür lautlos zu öffnen, was bei dem klobigen Ding, dessen Holz- und Eisenteile ständig der rauhen Witterung des Lagers ausgesetzt sind, so ziemlich ein Kunststück ist... doch es ge­lingt ihm.

Einen Wimperschlag lang orientiert er sich, auf welcher Seite es besser wäre, weiterzuschleichen. Die Nacht ist gottlob so gut wie lichtlos. Alles erscheint schwarz und blau, mild und geheimnisvoll in dem großen Schweigen des tiefen Dunkels. Der Geruch des Regens hängt in der Luft, und das Bild der regungslos daliegen­den Barackenstadt verwischt sich mit den tief dahin­ziehenden Wolken..

Nicht so aber an der Lagerstraße. Dort brennen hochkerzige Lampen, die einen diffusen Schatten an die einzelnen Blockwände werfen. Auf der Seite seines eigenen Blocks ist es besser entlang zu gehen.... Tief gebückt, damit sein Kopf nicht an den Fenstern sichtbar werde, falls irgendeiner im Wachsein seinen Blick auf die Scheiben richten und ihn sehen könnte, schiebt er sich vorwärts.

Das alles bietet keine Schwierigkeiten. An der Stirn­seite der Baracke macht er in Hockstellung halt und späht aus. Wohltuende Stille beherrscht die Runde. Drüben, wo die Umzäunung an der Baracke 8 rechteckig vorspringt, leuchtet die rote Lampe als Signal des Stark­stromes, der das Drahtwerk durchzieht... so warm leuchtend ist ihr Strahl, als ob sie das ewige Licht' vor einem Altar wäre, nicht Ankündigung eines barbarischen Mittels des Zwanges gut, gut, ihr Herren Nazis, sagt sich Bert ingrimmig lächelnd, auch die Grenzen eurer Macht sind gottlob nicht unüberwindlich!- Und nun vorwärts, das schwerste Stück Arbeit seit langer Zeit beginnt.

Ein leises Lüftchen regt sich nun in den Zweigen der