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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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andere der Häftlinge eine verspätete Zigarette auf dem Abort rauchen konnte, mochte es auch streng verboten sein. Außerdem mußte er auch mit der völligen Leere der Straßen vom Lager in die Stadt hinein rechnen. Bis zwölf Uhr konnten stets noch einzelne Scharführer der SS. sich von einer Zecherei nach Hause trollen und ihn dabei entdecken.

Von Zeit zu Zeit prüfte er durch das nahe Fenster vom Bett aus.das Wetter. Die Tage des Neumondes hatte er ohnehin schon ausgewählt, so daß er nicht etwa solch störendem Mondlicht ausgesetzt wäre, wie es in der Nacht des Luftangriffes geherrscht hatte. Der Abend hatte nasse Witterung herangezogen. Ein mattes, trauerndes Nebelreißen in der Luft würde ihm wohl das Geleite zur Flucht geben Vorhaben.

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ganz passend für Berts

Nun hält er seine kleine Uhr, deren Zifferblatt hell leuchtet, an die Augen und erkennt die Zeit: zwanzig Minuten nach zwölf. So kann es also losgehen... addio, alter, harter Strohsack, nach strikter Lagervorschrift fest wie ein Brett gestopft!

Er streichelt ihn noch einmal flüchtig mit der Hand. Dann richtet er sich lautlos auf und legt die Bettdecke von sich, schlüpft in seine filzenen Hausschuhe, alles genau so, als ob er zum Austreten nach dem Abort hinaus wolle. Nur nimmt er Hose und Rock auf dem Arme mit. In der dick angefüllten Hosentasche steckt das Isolationszeug, in der Rocktasche, die er sich selbst innen angenäht hat, seine Dose mit Zigaretten und die Zündhölzer.

Im Abort ist niemand mehr. Hier legt er die Kleider zunächst ab und zündet sich eine Papyros an. Sie gibt den Nerven ausgeglichene Ruhe. Jetzt ist er tatsächlich so voll freudigem Gleichmute, als ob er sich zu Hause für eine nächtliche Pirsch oder in den Bergen für eine Gipfelpartie vorbereiten würde.

Der Tabakstummel fliegt in eines der Becken. Die Hosen werden angezogen und zugeknöpft, der Rock desgleichen fertig. Keine Mütze auf den Kopf, keine

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