selben Ansicht war, die Achseln zuckte und gleich da- nach befahl:
„Ihr sucht mir sämtlich jeden Winkel auf das pein- lichste durch, jedes Loch, jeden Kessel, jede Ritze— los und drauf! Wer ihn findet, bekommt eine Schachtel Zigaretten!‘
Also auf zur.allgemeinen Suche. Bert war froh, daran teilnehmen zu können, ohne persönlich den Ehrgeiz zu haben, ihn zu finden. Er trabte zunächst in die Des- infektionskammer, um bei seinem Freunde Pfeifer die Morgenzigarette zu rauchen und die reizenden Kätzchen zu begrüßen. Dann steuerte er wieder der Lagerstraße zu und begegnete dort dem Capo der Elektriker. Sie gingen beide an dem bewußten Eckpfosten der Um- grenzung vorbei, beide wohl dabei an den Freitod des jungen Polen denkend. Denn auch der Capo wies bedeut- sam auf den Pfahl und sagte:
„Nun hat der auch am längsten hier gestanden!“ Bert zuckte zusammen, als hätte er sich auf einen wehen Zahn gebissen. ‚‚Was meinst du damit?“ fragte er. „Nun ja, die letzten SS.-Baracken werden noch im Laufe dieser Woche geräumt, und dann werden auch sie von uns belegt. Alsdann verläuft die Umzäunung wieder so geradlinig wie früher, verstehst du?!“
Bert griff die Mitteilung wie mit Geierkrallen ans Herz... einen anderen Weg für seinen geheimen Plan sah er nicht, also mußte die Ausführung schon in den nächsten Tagen stattfinden— sie mußte stattfinden oder unterbleiben! Und als ihm im Weitergehen die Be- deutung dieses Zwanges für ihn klar wurde, war er dieses Druckes auf seine Entschließung geradezu froh. Nicht mehr schwanken zu brauchen, kein Für und Wider abwägen zu müssen, tat wohl..... ‚Das Muß ist hart‘, sagt Goethe, ‚aber beim Muß kann der Mensch allein zeigen, was in ihm steckt. Denn willkürlich kann jeder leben!‘
Und stracks machte er kehrt und ließ das Suchen die anderen besorgen. Er setzte sich in seinem Block an den Tisch und schrieb den Brief fertig, der heute fällig war 25%


