Beim Morgenappell am nächsten Tage standen Tibbu- Tipp und Hoffmann, also beide Lagerleiter, schon beim Ausrücken der Blocks auf dem Platze, der letztere puter- rot im Gesicht, ähnlich einem Truthahne, der vor Wut bersten will. Wahrscheinlich hatte ihm der nächtliche Luftangriff eine Saufpartie gestört und ihn nicht mehr zu Bette kommen lassen.
Aber auch der erste Lagerleiter war auffallend nervös. Und in diese Stimmung hinein platzte die Meldung der abzählenden Scharführer, daß ein Mann fehle—— potz- teufel, das fehlte gerade noch, wo alles von der schlaf- losen Nacht müde war! Alle Blöcke wurden erneut gezählt, ob nicht etwa ein Neuer in Unkenntnis sich zu einem falschen Block gesellt habe— nichts zu finden, es blieb dabei: ein Kroate aus dem 23. Block war abgängig.
Berts Genossen bissen sich vor Ärger auf die Lippen. So eine dumme Störung, wo sie darauf brannten, auf dem Plantagegelände nach den Flugblättern von gestern zu suchen. Hinzu trat vermutlich noch stunden- oder tagelanges Stehen, bis man zum mindesten die Spur des Fehlenden gefunden hatte... das konnte bei dem naß- kalten Schlickwetter ein Vergnügen werden!
Während die meisten Scharführer in aller Eile davon- radelten, ließ Raportführer Rämmele alle Blockältesten und Capos vortreten. Auch er war schwer verstimmt... wenn der fehlende Kerl das Durcheinander in der gestri- gen Nacht zur Flucht benutzt hatte, so konnte sich das Lager beim nächsten Luftangriff gratulieren, mochte er denken.
Die Photos des Mannes kamen. Tibbu-Tipp ließ die Versammelten die drei Bilder des Fehlenden betrachten; sie zeigten ein Gesicht von ganz inferiorem Typ, einen Halbasiaten mit stumpf glotzenden Augen, tierischer Kinnbildung, aufgeworfener plumper Nase... nein, sagte sich Bert, daß dieser Mann die Findigkeit und den Schneid haben sollte, aus dem inneren Lager zu ent- kommen, war mehr als fraglich!— Diese seine Meinung sagte er in ruhigen Worten dem Lagerleiter, der der-


