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Umfassungsmauer niedergegangen sein mag, Herrgott noch einmal..
Nein, der Teufel hole die Geschichte: er flog noch etwas darüber hinaus. Bert sieht ihn gerade hinter der weißgestrichenen Lagermauer versinken und geht daraufhin zurück. Kaum hat er die Klinke seiner Blocktür in der Hand, so peitschen schon in den allmählich verebbenden Lärm ein paar MG- Stöße hinein aha, also waren die Späher doch gesehen und rücksichtslos unter Feuer genommen worden.
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Noch während des Restes der Nacht, die ohnehin zum Schlafen keine Ruhe mehr läßt, liegt Bert auf seinem Bette ausgestreckt, die Hände hinter dem Nacken gefaltet und übersinnt das Erlebte: wie schwer wird die geliebte Stadt den Frevelmut ihrer Tyrannen nun zu büßen haben- und wie erst in weiterer Zukunft? Werden die Seinigen verschont geblieben sein?- Ach, wie ohnmächtig liegt er hier, der Mann, der vor Gott ihr Beschützer sein sollte.... Und sogleich tritt der letzte Brief Iřinas wieder vor sein geistiges Auge: ,, Fritz, unser bewußtes Sorgenkind, braucht mir jetzt nur noch ein Zeichen zu geben. Der Pfarrer im gleichen Orte, wo sein Lazarett steht, ist schon verständigt und bereit, ihn zunächst aufzunehmen. Ich bin sehr froh darüber und frage ihn nur noch, ob ihm der nötige Mut fehlte, sich zu entschließen... darum:, Quousque tandem, Catilina...?""
Diese zwei, drei Sätze hatten ihn ernsthaft aufgerüttelt, ihn, den alten Soldaten und Frontkämpfer des Weltkrieges aber noch war ja ein Punkt zu bedenken: die Quälerei der Kameraden, sobald einer von ihnen das Weite gesucht hatte... hat er das Schicksal seiner Freunde vergessen, als sie im Frühjahr von der Plantage zurückkamen?
Aber auch diesen Stein sollte das Schicksal binnen weniger Tage aus dem Wege räumen.
25 Conrady, Amokläufer.
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