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nicht.... heraus müssen sie und umherlaufen, Bert mit ihnen, es hilft kein Überlegen mehr——
Halb verwirrt taumeln die Männer erst draußen auf der Blockgasse umeinander. Der Vollmond löst die ganze Gegend in bläulich-gelben Lichtdunst auf. Nichts Festes ist mehr ringsum. Alle Konturen zerfließen... und droben ziehen mit dröhnendem Schwirren die Ge- schwader, majestätisch gelassen, ihrem Ziele zu, ohne das Lager zu behelligen.... Ingrimmig lächelnd sagt sich Bert: vom Standpunkte der Luftangriffe gesehen, ist man hier wirklich ‚in Schutzhaft‘, nur anders als es Herr Himmler sich gewünscht hat.
Aber nach den ersten Minuten der Wirrnis in den Köpfen, die seit Jahr und Tag nicht mehr des Nachts im Freien waren, verschwinden schon die ersten Hemden- männer um die Ecke der Blocks und schleichen dem Appellplatz nahe. Sie wissen schon, was sie wagen und sind sich der Lebensgefahr sehr wohl bewußt. Aber sie müssen einfach zu den Flugblättern gelangen, von denen sie vermuten, daß sie über dem Lager abgeworfen worden sind.... Überlegtere haben sich rasch den Mantel über- geworfen, so auch Bert. Er bleibt am Eingang zur Lager- straße stehen, um das packende Bild am Firmament zu betrachten.
Wütend, wie das Gekläff grober Dorfhunde, dröhnt die Flak vor München auf. Blitzschnell strahlt die Ex- plosion ihrer Granaten vor dem dunklen Hintergrunde ihren Flammenriß aus. Die Gegend um die Stadt ist ein rötlich wogendes Lichtmeer, ein wahrer Rachen voll Glut, ganz ähnlich dem Feuerschein aus einem Krater, nur vielfach verstärkt... und wunderbar ruhig, ge- sättigt gleichsam, ziehen die Rolls-Royce-Motore über ihm ihre Bahn, beinahe taktmäßig hört er die Detonationen ihrer schweren Bomben— eine Antwortshymne auf die lächerliche Anrempelung durch das Naziblatt.
Inzwischen sind die Unentwegten weiter gekrochen, auf allen Vieren jenem Winkel des Lagers zu, wo der Bunker liegt; denn sie mußten sie ja haben, die Flug- blätter.... wenn der Leuchtschirm nur ja innerhalb der


