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Schlafraum wie im Wohnzimmer sind aufgerissen und von aufgeregten Männern in blaugestreiften Hemden besetzt, die offenen Mundes nach oben starren... am liebsten möchten sie die Flugzeuge dort mit ihren Händen greifen und an ihr Herz ziehen als ihre Befreier, mögen sie gleich gekommen sein, Tod und Verderben über ihr Vaterland zu streuen
Bert steht stumm und ergriffen unter den Lauschenden.... Da ist es wieder, das verteufelte Dilemma: dort oben sind die Angehörigen eines Volkes, bei dem er unzählige Male in der Welt zu Gaste war, überall auf das gastlichste aufgenommen; Menschen, die er als Einzelmenschen wie als Nation hochgeschätzt und von denen er weiß, daß sie Deutsche seines Schlages ebenso anerkennen, nun aber einen erbitterten Kampf gegen sein Volk führen müssen, weil sie sich sonst der Überwie alle übrigen nicht ergriffe des Nazitums wehren können... soll er nun in ihnen die Freunde seines eigentlichen Vaterlandes und seine Befreier erblicken oder die schonungslosen Gegner, die den Stolz Deutschlands , seine unvergleichlichen Städte zerstören, vielleicht darunter auch sein eigenes Haus samt seinen Lieben? Der gleiche schmerzliche Riß ging während der Kriegsjahre durch die Brust jedes aufrechten Deutschen , erst recht eines aktiven Soldaten.
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Da braust ein verdoppelter Jubelschrei von den Fenstern auf: einer der Fallschirme mit Luftraketen ist dicht über dem Lager abgelassen worden und schwebt nun über den Dächern der Barackenstadt gemächlich nieder. ,, Ein echt englischer Leuchtschirm!" schreit einer der Begeisterten neben Bert. ,, Das Ding ist die Ruhe selbst, schaut, mit welchem Phlegma es niederkommt!" Die schmalen Blockgassen liegen förmlich aufgescheucht aus ihrer Ruhe vor dem saugenden Licht.
Als aber ersichtlich ist, daß der Fallschirm im Bereiche des Lagers niedergehen werde, so dicht befand er sich schon über den Dächern, war kein Halten mehr bei den Häftlingen, mochte auch das Verlassen der Blocks während der Nacht aufs strengste verboten sein oder


