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geschmolzen war, nahm ihn sein Freund Scheerer beiseite und teilte ihm vertraulich mit, daß der zweite Lagerleiter gemeinsam mit dem tückischen Scharführer Kastner vereinbart hätten, den Oberst in den nächsten Transport einzureihen, sobald ein Capo verlangt werde.... ,, Wir brauchen bei uns keine großspurigen Herren--" hätte Hoffmann dabei gebrummt.
,, Du verstehst mich: ich habe dir nichts gesagt, aber du wirst dich zu richten wissen!" schloß der brave Lagerälteste.
So stand es also! Und wie lange die persönliche Gunst Tibbu- Tipps noch andauern konnte, war völlig unbestimmt.... Also hieß es nun handeln. Hammer sein, statt immer nur Amboẞ! War es verwunderlich, daß im gleichen Moment in einem Briefe Iřinas wieder stand:
,, Mein Bruder Fritz muß jetzt baldigst heraus aus seinem Lazarett, ich spüre mehr als je die Notwendigkeit dazu! Ich habe für seine Heimkehr alle Vorbereitungen getroffen... ich bin überzeugt, er wird damit zufrieden sein und keinen Rückfall seiner Krankheit mehr zu befürchten brauchen... nun braucht er mir nur noch das Datum sagen, an dem er zu erwarten ist dies wollte ich dich, mein Lieber, nur wissen lassen, damit du beruhigt bist...!"
Bert las zum erstenmal eine solche geheime Aufforderung mit voller Zustimmung und küßte ihr in Gedanken die Hände.
Kurz vor der jahresüblichen Nazifeier des Marsches zur Feldherrnhalle am 8./9. November 1940 hatte das , Reichswitzblatt', der Völkische Beobachter' Hitlers, nichts Klügeres zu tun, als die britische Luftwaffe zu verhöhnen, mit der Behauptung: Nie werde sie sich trauen, der, Hauptstadt der Bewegung' nahezukommen... im Frühjahr 1945 sprach das Blatt freilich etwas anders, nachdem sein Übermut vor den Trümmern der schönen Stadt erloschen war.


