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Als man ihn etwas ausfragen will
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die Leute kommen aus einem nordöstlichen Lager ergibt sich die Unmöglichkeit einer Verständigung. Der Mann ist Litauer, und nur einer unter Berts Interpreten versteht ihn mühsam. Aber seine flackernden, von wildem Gram erfüllten Augen, der krankhaft entsetzte Blick des Invaliden, sind schlimmere Anklage, als eine empörte Rede von ihm sein könnte.
Gleich nach diesem ersten schieben die Helfer einen weiteren Ankömmling herein. Es sind ja ihrer annähernd tausend, und es wird späte Nacht werden, bis alle abgefertigt sind. Der Mann hat einen mächtigen Verband aus Kreppapier über die linke Brusthälfte- längst ist ja richtiger Verbandmull aus den Revieren verschwundender dicke Heyden, vor dem er mit wackelnden Knien steht, nimmt seine große Schere und klipp- klapp, fällt der steifgewordene und verklebte, rotgelb durchfärbte Verband herab. Von den Lippen der Zuschauer, die den Neuen umstehen, kommt ein spontaner Laut des Schreckens, selbst von dem abgebrühten Heyden; eine feuerrot umrandete Wunde von der Größe eines Quartheftes hat dem Kranken alle Haut und Fleischteile auf der linken Brustseite weggefressen, so daß man die blanken Rippen des Brustkorbes mit den Sehnenbändern und dem Schlüsselbein sieht... dazu sekretiert die Wunde noch einen gelblichen Eiter, der von penetrantem Gestank ist.
Der Kranke wird weiter unter die Duschen geschleppt, Bert wendet vor Ekel den Kopf ab. Er ist gewiß kein Zimperling, aber ein Anblick wie dieser geht jedem an die Nieren. Sogar die plumpen Scharführer stoßen Heyden an und fragen: ,, Was hat der Kerl bloß, das ist ja schauderhaft, pfui Teufel, und stinken tut das Schwein!" Sie halten sich die Nase zu.... Der dicke Heyden schlägt mit der Schere auf seine rötliche Gummischürze und gibt mit überlegener Stimme Auskunft:
,, Phlegmone nennt man das, eine höchst bösartige Verschlimmerung offener Wunden, die immer weiter fressen und alle erreichbaren Gewebe zerstören, wie Sie


