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Unliebsame nicht etwa ausgesprochene Gegner
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dort schon still verschwunden sind? Ich bin daran fast schon gewöhnt, denn in den ersten Jahren von Dachau haben wir darin eine wahre Hausse erlebt!"
,, Ein Jammer", erbarmte sich Pfeiffer ,,, aufrechte junge Burschen, fünfundvierzig auf einmal, dem Moloch des Terrors zu opfern!"
,, Laßt es gut sein", warf Scheerer verbissen ein. ,, Auch sie sterben nicht umsonst, auch sie werden Dünger für den Fortschrittsacker sein, glaubt mir!- Doch seid still...."
Er hatte kaum ausgesprochen, als das Fenster klirrend erzitterte durch eine Salve, die in dichter Nähe von ungefähr zehn Gewehren abgegeben worden war. Die Häftlinge in der Kammer, in der die Arbeit jetzt ruhte, sahen sich der Reihe nach an. Jeder hatte die Lippen zusammengekniffen und lauschte wieder der gleiche peitschende Knall und wieder und wieder; insgesamt neunmal, so daß also jede Zehnersalve gegen fünf Delinquenten gerichtet war... furchtbar der Gedanke selbst in solch barbarischen Zeiten, welchen Todeskampf jede Detonation auslösen mußte
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Und eine halbe Stunde darauf, wohl auf die Meldung hin, daß alle Opfer erledigt wären, rollte der erwartete Moorexpreß, von blutjungen SS.- Rekruten gezogen, über den leeren Appellplatz. 45 grob gezimmerte, mit stumpfem Schwarz notdürftig überstrichene Särge sollten die entseelten Körper aufnehmen, die eben noch 45 lebenswilligen, jungen Männern angehört hatten!... Was sagten ihre Eltern dazu? Was durften sie im Dritten Reiche sagen? Der Lagerälteste hatte recht, wenn er abschließend betonte: ,, Friede ihrer Asche! Auch sie werden einst zur rechten Zeit auferstehen und uns helfen...."
Das Erstaunlichste an diesem Falle war aber, daß zwei Tage darauf der Gmundner Manz in der Mittagsstunde Bert beiseite nahm und ihm verriet, daß der Londoner Sender bereits die Untat im Bunker von Dachau in aller Genauigkeit mitgeteilt habe. Wie 24 Conrady, Amokläufer.


