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Dem Obercapo der Uneingeteilten schlichen nun die Tage so träge dahin, wie Regenwürmer auf der Landstraße. Zu allemhin strudelte bei dem jetzt vielfach nebligen Wetter der ganze Appellplatz voll marschierender Abteilungen, weil die großen Kommandos, Plantage und, Garagenbau' bei unsichtigen Tagen angesichts ihrer nicht eingezäunten Arbeitsplätze nicht ausrückten.
Dann zog sich Bert gern in die nahe Desinfektionskammer zurück, wo es warm war, und wo er seinen Freund Pfeiffer, den Kommunisten und Samariter, ganz närrisch mit der Pflege von zwei reizenden Angorakätzchen antraf... wo er sie hergebracht hatte, blieb Bert so rätselhaft wie Unzähliges andere in diesem Lager.
Einmal hatte er wiederum seine Kohorten in dem Block der Isolierten zu verstecken, ja sogar auf Befehl Hoffmanns die scharfe Weisung auszugeben, daß jedermann, den Arsch voll bekäme', der sich etwa auf dem Appellplatz sehen ließe... also mußte etwas Besonderes vor sich gehen. Auch Scheerer fand sich nach getaner Arbeit in der Kammer ein und zog Bert ans Fenster, das in seiner unteren Hälfte mattiert war, so daß nur die Augen der Häftlinge von draußen zu sehen waren.
,, Paßt auf", verkündete der Lagerälteste ,,, ihr werdet bald einen Moorexpreß vorbeikommen sehen, mit 45 Särgen beladen!"- Die beiden Kameraden sahen ihn betroffen an und fragten sogleich: ,, Für wen, um Gottes willen, sind denn die Särge bestimmt?"
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,, Für ebenso viel SS.- Leute, die angeblich der gemeinsamen Auflehnung beschuldigt sind und ihr wiẞt ja: das Prinzip, das die Nazis dem GPU.- Chef Jagoda nachsagen, daß die Kugel die beste Arznei gegen Widerstrebende sei, wendet man bei uns längst am ausgiebigsten an; das ist ja die alte Leier, man muß nur immer rufen: haltet den Dieb, wenn man selbst gestohlen hat!"
,, Und wo füsilieren sie die armen Kerls?"- ,, Nun, hinten im Bunkerhof! Der ist ja dazu als Kugelfang gebaut worden... was meint ihr wohl, wieviel politisch


