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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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gericht... alsdann wird mein Köpfchen billig zu haben sein, während der Rest am Boden zerstört' wird, wie es so schön im Heeresbericht heißt!" schloß er mit seinem üblichen Lachen.

,, Du bist zwar ein leichtsinniger Hund", meinte Bert nur kurz. ,, Aber die Schneid kann dir niemand ab­sprechen...."

In förmlichen Visionen quälte ihn nunmehr und in den kommenden Nächten der Gedanke an eine Flucht, wie eben eine fixe Idee zum ärgsten Peiniger der Seele werden kann... Zu allemhin brachte ihm sein, Feld­webel' einen Brief von Iřina, in dem sie ihn neben persön­lichen Nachrichten über seine Schwester und sich selbst ebenfalls auf das Glatteis des gleichen Themas führte....

Bis auf den letzten Nerv durchrüttelt von dem Ge­lesenen, stand er vor seinem Block. Eine prickelnde Hitze stieg ihm bis in die Haarwurzeln... wie merk­würdig: ein ursprünglich so scheues Menschenkind wie sie wird zur unerschrockenen Mahnerin, reißt ihn mit jener unheimlichen Frauenmacht, die von einer Ge­liebten ausströmt, auf die Bahn ihres Wollens und be­reitet dergestalt in ihm den Boden zu einem Entschlusse vor, den er wohl sonst nie fassen würde, wie eben häufig Menschen nur aus Begeisterung für eine Sache groß handeln können, ohne wirklich groß zu sein....

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Und er hatte den Eindruck, daß ihr nächster Brief in vierzehn Tagen früher war es nicht gestattet! nicht viel anders lauten, im Gegenteil einen Schritt weiter auf das Ziel zuführen würde, immer wohl­verstanden unter der Tarnung ihres Interesses für den kranken Bruder Fritz.... Und allmählich spürte er, wie ihr Denken sich auf ihn übertrug, wie das geistige Fluidum, das ihre Zeilen ausstrahlten, der Unterton der Liebe, der in ihnen vibrierte, auch ihn erfaßte. Dazu wuchs eine gewisse Sehnsucht in ihm nach dem Dunklen, Vagen und Gewagten auf, nach dem Abenteuer im Leben, und wurde stärker als je, so wenig er im Grunde ein Freund von riskanten Streichen war.