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,, Nun, Professor, wird Ihnen die Arbeit zusagen?" Den Polen war das im Lager übliche, Du' im Verkehr nunmal nicht beizubringen, wie er schon wußte; deshalb bediente er sich von vornherein ebenfalls der höflicheren Anrede.
Der Gefragte zuckte unbestimmt die Achseln. ,, Ich werde mich bald daran gewöhnt haben, hoffe ich! Ich denke dabei an Aristoteles, der gesagt hat:, Der Weise wird eine Tätigkeit ohne Lust stets einer Lust ohne Tätigkeit vorziehen!""
Das klassische Zitat regte Bert zum weiteren Plaudern an. ,, Haben Sie von dem gestrigen Unglück Ihres jungen Landsmannes gehört, der sich in den Stacheldraht geworfen hat?".
Der Professor bestätigte es mit trauriger Miene. ,, Bitte sprechen Sie ohne Rückhalt Ihre Meinung darüber aus", forderte ihn Bert auf.
,, Sehen Sie, Herr Oberst, ich erblicke darin weniger einen Verzweiflungsakt, als vielmehr einen Protest des Burschen gegen die grenzenlose Unterwürfigkeit und den Verzicht auf jede Art von Mut gegen Unterdrücker, der unserem Volke leider so stark zu eigen ist... als wollte er den uns Knechtenden zeigen: ihr glaubt uns peinigen zu können in jeglicher Weise, die euch beliebt, bloẞ weil ihr uns bei der geringsten Auflehnung mit dem Tode bedroht- nun gut, ich pfeife darauf! Strafe habe ich für meine Tat verdient, aber ich gebe sie mir selbst, statt sie von euch hinnehmen zu müssen und zeige euch damit gleichzeitig, daß mir ein Leben fern der Heimat nur noch einen Dreck wert ist."
Hatte er anfangs zögernd und beinahe kleinlaut gesprochen, so klang der letzte Satz förmlich wie ein Schmerzenslaut.... Seine schmächtige Gestalt reckte sich dabei, seine Augen glühten. Mit geballten Fäusten stand er auf und nahm alle Selbstbeherrschung zusammen, um knirschend die Worte hinzuwerfen: ,, Es kommt der Tag, an dem der Sklave nicht mehr gehorchen wird, seien Sie überzeugt, Herr Oberst! Und ebenso davon, daß ich für jede ähnliche Gelegenheit,


