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ihm mit allen Kräften nachzulaufen, aber es war zu spät... mit einem leisen Aufschrei warf sich der junge Mensch in den nach hinten sich abdachenden Stacheldraht, dessen geflochtene Ketten vereinzelt über Porzellanisolatoren liefen....
Und sofort gab es ein kurzes, bläuliches Aufflammen, ein zischendes Knistern, ein wenig schwärzlichen Rauch, der nach verbranntem Menschenfleisch und Haaren roch
dann lag der Unglückliche in diesem Wald von zugespitzten Stacheln eingesunken, reglos, entsetzlich schmal, dünn und unwesentlich, fast nur ein hängendes Bündel Kleider... wenn nicht die große Lache Blut gewesen wäre, die sich am Boden sammelte.
Stumm standen die beiden Freunde vor der Todesstätte. Kastner kam angeradelt und verbot jeden Eingriff, um den Armen aufzuheben, bis der Strom abgestellt wäre. Leo drehte sich ab und zog Bert am Ärmel mit sich.
,, Nun kann ich mir die Meldung ersparen", flüsterte er mit klangloser Stimme. ,, Wieder hat man ein Menschenleben auf dem Gewissen... und ich hätte den Wisch ja ohnehin zerrissen, wenn ihn kein Scharführer von mir verlangt hätte!" Damit ging er traurig ins Revier, um bei Heyden den Tod zu melden.
Bert jedoch blieb als Wache bei dem Verbrannten stehen. Zurückkommende Kommandos bogen in die Lagerstraße ein. Die Mittagspause begann, und eine Reihe von Häftlingen blieb an der Unglücksstätte stehen. ... An Berts Seite gesellte sich der Capo der Elektriker, der mit fachmännischem Auge die Situation prüfte und plötzlich seinen Mund dem Ohre Berts näherte, um ihm leise zuzuflüstern:
"
, Siehst du, Oberst, wenn mal einer von uns ausbrechen will hier und nirgendswo anders müßte er's tun!"
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Der erstaunte Blick seines Nachbarn ließ sein faltiges Gesicht mit einem Schimmer von Wichtigkeit überziehen.... ,, Hier meinst du?" fragte Bert zweifelnd.
,, Natürlich", fuhr der Elektriker flüsternd fort. ,, Sieh


