Druckschrift 
Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
333
Einzelbild herunterladen

= 833

zu umarmen, so gut er es mit seinen gelähmten Armen vermag. Dann schlingt er den einen Arm um seine Schwester, der die Tränen gekommen sind und tröstete beide Frauen:

Gebt euch zufrieden, meine Lieben, ich danke ja Gott, daß ich das alles überstanden habe und dabei soviel erfahren konnte. Denkt an Spinoza, der in seinem Werk irgendwo sagt: ‚Alles Echte und wäre es noch so häßlich, überwältigt!

Ja aber du verlierst deine besten Jahre, Bertie, deine besten Kräfte auf solch viehische Weise... Und wie steht es mit deinem Schlaf?

O, fragt nicht nach den Nächten! Sie sind zu wechselnd. Es gibt solche, in denen Dämonen heulen und solche, in denen man meint, die Engel singen zu hören 0

Nach dieser Auskunft ging Berts Schwester kopf- schüttelnd in den anstoßenden Musiksalon, um sich auf seinen Wunsch an den großen Steinway-Flügel zu setzen, sein Lieblingsinstrument, das er leider wegen der Hände jetzt nicht selbst spielen konnte. Da drängte es sich über Ifinas Lippen, was sie im Inneren unablässig beschäftigte:

Warum sollte es dir nicht gelingen, Bertie, aus dem Lager zu entkommen? Du darfst dich nicht mehr solchen Entsetzlichkeiten aussetzen, die bei jeder Kleinig- keit eintreten können oder ich werde nie das Zittern mehr verlieren, jeden Tag, den Gott gibt

Ich habe vergessen, erwiderte er ernst, gerührt von ihrer Besorgtheit, ‚euch zu sagen, wie es Flüchtlingen ergeht, die man ins Lager zurückbringt... und ich will es dir auch nicht erzählen, damit ihr euch nicht noch mehr aufregt!

Zurückbringen! wiederholte sie ungeduldig und nahm ihre Wanderung im Zimmer wieder auf. ‚Wer spricht. von Mißerfolg und ungeschickten Versuchen? Wenn wir die Sache in die Hand nehmen könnten, Seidl und ich, dann würde es schon klappen, sei davon überzeugt!