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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
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,, Aber, geliebtes Kind, ich hoffe doch stark, daß es überhaupt mit meiner Haft zu Ende sein wird; wenigstens ließ mich der Kommissar erneut darauf hoffen! Denn sonst ist eine Flucht bei den heutigen Zeiten eine mehr als heikle Sache--"

Sie gab einige Minuten keine Antwort mehr, obwohl Bert ihr ansah, wie die Gedanken in ihr arbeiteten... bis sie mit tiefer Stirnfalte auf ihn zutrat und ihren Entschluß kundgab: ,, Nun wohl, ich warte das gern ab. Aber sollte die Aktion fehl ausgehen, dann sollst du frei werden aus unserem eigenen Wollen heraus... Das gelobe ich dir im tiefsten Ernst!"

Er lächelte nachsichtig. ,, Und wie glaubst du wohl, etwas fertig zu bringen, was bis jetzt noch niemand in Dachau geglückt ist, wenigstens aus dem inneren Lager? Ja, vom Kinderheim zu entkommen, wäre kein Kunst­stück mit Hilfe des Autos von Toni... aber es wäre unmöglich, ihn nicht zugleich aufs schwerste zu be­lasten und euch dazu!"

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,, Laß die Frage noch beiseite, Bertie", bat sie ab­lenkend. ,, Bevor eine Sache wirklich akut ist, ver­tiefe ich mich aus Prinzip nicht darein ja, ja, ich bin für Sparsamkeit auf allen Gebieten... darum heute nur soviel: durch manche Bewohner des kleinen Städtchens Dachau kann man beinahe jede Hilfe in Lagerdingen haben, die man wünscht, zumal eine Reihe entlassener Häftlinge dort wohnt, die sich auskennen... du hast es ja an dieser würdigen Wittib gesehen, von der ich den Tip für die Totenkammer bekam... also doch jetzt still!"

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Sie lauschte nach der offenen Tür hin. ,, Horch- für dich, mein Lieber!" Aus dem Nebenraum kamen per­lende Töne, sanft trauernde Klänge von hymnischer Reinheit Chopin! Bert schloß überwältigt die Augen .. Herrgott, wie lange hatte er das entbehrt, wie lange keinen Ton von Musik mehr gehört, guter, edler, reiner Musik?!

Er ging den Tönen nach in den Musiksalon, Iřina an seiner Seite. ,, Jetzt stärkst du mir noch das Gemüt,