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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
331
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3er

gequält um seine Lippen und Mundwinkel zieht. Dann hebt er mühsam die Rechte, um sie aber gleich im Gefühl seiner Schwäche wieder sinken zu lassen....

Ja, das ist nun mal nicht zu ändern auch das danken wir unserem Führer! Und in stummer Befangen- heit stellt sich zwischen Bruder und Schwester das junge Mädchen, die Hand auf das klopfende Herz ge- preßt... es war eine Szene gleich der auf des Russen Repin genialem Gemälde ‚Rückkehr aus Sibirien !

Bis mit einem Rucke der Bann gelöst ist, und beide Geschwister sich in den Armen liegen. Eine Zeitlang vernimmt der:stille Raum nur ihr Schluchzen ja, in der Tat: das Schluchzen beider; denn auch Bert fühlt plötzlich, daß es sehr, sehr gut tut, wieder einmal schlicht und kindlich weinen zu können, ohne Scham und Hemmung, ganz der Ergriffenheit des Augenblicks hingegeben.

Dann aber, nach ein paar pietätvollen Minuten, bringt ein heiteres Wort Ifinas die Besinnung auf die Gegenwart zurück. Erst jetzt erfolgt die eigentliche Begrüßung der Heimat, die prüfende Umschau nach allen Seiten, ja geradezu Betasten der liebgewordenen Dinge und häuslichen Schätze... in erster Linie des Arbeitszimmers mit seinem wuchtigen Schreibtisch und den vielen treuen Büchern ringsum... und als sie in den bequemen Ledersesseln sitzen ah, endlich wieder weich gepolsterten Sitz unter sich verspüren! geht das gegenseitige Mustern und Abschätzen in Ruhe weiter......

Er findet die Schwester ganz unverändert, ja. eher noch verjüngt gegen früher. Mit zärtlichem Lächeln sagt er es ihr:Ich dacht es mir bald, du bist wie ein solides Kirchendach aus Kupfer, auch dies gewinnt nur mit den fortschreitenden Jahren!

Was willst du, Bertie, quittiert sie schlicht: ‚die Sehnsucht erhält uns eben jung! Sie dagegen lauscht nun auch auf seine Worte... seine Stimme ist anders geworden, noch ernster und tiefer als. früher. Viel schärfer ist auch sein Profil, jetzt fast nur noch von