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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Kalter Schweiß lag noch immer auf Stirn und Schläfen, so oft er ihn auch am Kissen abzuwischen suchte

Lieber Himmel, drängte sich ihm der Gedanke auf, als er so wie ein Krüppel auf dem Strohsack lag: warum müssen die Menschen einander ständig soviel Böses antun? Soll das Mißhandeln des anderen, des Schwä­cheren noch immer die tiefste Lust des Menschenviehes bleiben? Sind wir auf dem ersehnten Wege vom Tier zum Gott in Wahrheit noch keinen sichtbaren Schritt vorwärts gekommen?

Nach solchen Reflexionen zog in einem Reigen vor seinem geistigen Auge alles vorbei, was ihn während der langen Monate seiner Haft bewegt hatte: vertrau­lich lächelte ihn der biedere Hofbauer aus der Liesl' in Wien an; dann der fromme kleine Bibelforscher aus Krems; sein umsichtiger Mentor hier in Dachau zog vorüber, der elegante Hans von Becker- wer weiß, wohin ihn der Sturm der Tyrannei hingeweht haben mag und der liebe, arme Kohlhofer, mit ihm im Bunde, der in dem schäbigen Verbrecherlager hinter den Bergen sein strahlendes, junges Leben ausgehaucht hatte... und wie mochte es dem edlen Menschen Stillfried er­gehen, jetzt in seinem finsteren Verließ

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Soviel Namen, soviel Tragik darin warum aller­orten soviel Böses, warum diese Zuchtburgen der Bestia­lität überhaupt? Galt früher mal Amerika als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, so war das Groß­deutsche Führerreich jetzt sicherlich das Land der un­begrenzten Grausamkeit zu nennen, so schwer es einem als Deutschen ankommt, seine Landsleute derartig zu beschuldigen..

WIEDER IN MÜNCHEN .

Um des Schicksals Tücke aber zu vollenden, kam am anderen Morgen beim Aufstehen der Blockschreiber wieder in die Stube 4 hinein und legte über sein gutes, schwäbisches Gesicht eine strahlende Aura, als er dem