Druckschrift 
Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
325
Einzelbild herunterladen

Oberst Jordan, der sich zu ihm heranschleppte, ver- künden konnte: ‚‚Siehst du, wie ich dir schon sagte, es kommt nach Regen immer wieder Sonnenschein! Heute noch wirst du überstellt... also laß dich her- richten. 5

Dann schaute er aber auf Berts entstelltes Gesicht mit den rissigen Striemen und auf die wie leblos herab- hängenden Arme und stammelte betroffen:O du liebs Herrgöttle, ja so-oo! Wenn dich der Doktor schaut, da wirds natürlich zweifelhaft mit dem Ver- lassen des Lagers... na, wollen mal sehn, wie sichs machen läßt leb wohl einstweilen....|

Bert sah ihm noch eine Weile bewegungslos nach und| holte ganz tief Atem hätte diese Abberufung nach München nicht gestern schon kommen können? Und jetzt was tun? Die Fahrt verschieben lassen oder durch.die ärztliche Kontrolle hindurchschlüpfen?

Während er sich mit größter Mühe notdürftig wusch, grübelte er über diese Frage nach, bis ihm klar wurde: nein, gerade jetzt heraus und sich in der anständigen Krankenanstalt der Polizei kurieren lassen, was hier doch nicht geschah, um gleichzeitig zu versuchen, mit Toni Seidl und den Seinen in Fühlung zu kommen... also hieß es, um die Vorstellung beim Arzt glimpflich herumzukommen.

Und es gelang. Der Revierschreiber Lill, wiederum ein Kommunist von auffälliger Hilfsbereitschaft, von seinem schwäbischen Kollegen informiert, versteckte ihn in der Kammer, wo die Betten der Pfleger standen und ließ ihn schon vorher den bewußten Revers unter- schreiben.Als der Arzt. erschien, gab Lill an, daß der Häftling Jordan gerade mal austreten gegangen wäre; aber schon gemessen und gewogen sei und unterzeichnet habe, also brauche man ihn nicht mehr.. Gleichgültig, wie die SS.-Junker ihrem Berufe gegenüberstanden, soweit es Häftlinge betraf, ließ der junge Arzt den Schwindel durchgehen.Und zum Glück hatte jener freundliche Scharführer von gestern die Überstellung vorzunehmen.