holen für die langen, blutenden Striemen in Berts Gesicht, auf Kopf und Hals, desgleichen den erfahrenen Pfleger zu fragen, was am besten mit den Armen zu tun wäre.
Inzwischen saß der Zerbrochene zusammengesunken auf seinem Schemel, ließ sich ein Glas Wasser einflößen
. aber die Lider fielen ihm immer wieder zu. Der Atem ging stöhnend, die Rißwunden im Gesicht brannten wie Feuer, und sein Herz war noch immer ein heißes, überstürzt pochendes Hammerwerk.
Capo Pfeiffer kam wieder zurück mit einer Salbe und einem Fläschchen Branntwein, von dem Heyden geraten hatte, den kleineren Teil innerlich, den größeren Teil äußerlich zu etwas vorsichtiger Massage der Hände, Knöchel und Schulterpartien zu verwenden.... Das geschah und tat überaus wohl——— und es geschah notabene in liebevollster Aufopferung durch einen Mann, dessen Parteigenossen von jeher durch die Nazis als Aus- bunde schwärzester Verworfenheit und übelsten Unter- menschentums hingestellt wurden!
Bert wollte seinen Dank stammeln, aber er brachte keine zusammenhängenden Worte über seine wunden Lippen; nur ein unverständliches Gurgeln war alles, was er vermochte. Der Ausdruck seiner Augen mußte die Worte ersetzen.
In der Nacht aber wachte Bert nach kaum zwei, drei Stunden leichten Schlummers wieder auf. Die Schmerzen ließen ihn kein Auge mehr schließen.‘ Er richtete sich mühsam im Bett etwas auf..... Ein zischelnder Regen fiel draußen, das hörte er deutlich an dem gleich- mäßigen Tropfenfall vom Dach... sonst war nur noch neben und über ihm das Schnaufen und Röcheln der neunzig Schläfer zu hören, die dem Morgen entgegen- träumten.
Er legte sich wieder auf das stroherne Kopfkissen zurück. Das Blut hinter der Stirn stach unerträglich, und ein überstarkes Schwindelgefühl ließ die Stube mit ihren vielen eng an- und übereinander getürmten Betten um ihn wirbeln wie ein wild gewordenes Karussel. air


