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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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wie ein wundes Tier am Boden wälzte und gottsjämmer­lich stöhnte, ebenfalls einer von den mit der Knute Getroffenen.

Doch als der Rowdy von Scharführer den am Boden Liegenden mit dem Stiefel anstieß und aufstehen hieß, da brüllte der Gequälte sich eine Sintflut an Schmähungen vom Herzen herunter, ganz unbedenklich, wo er sich eigentlich befand und so voller Inbrunst, daß der Böse­wicht unwillkürlich scheu zurücktrat und ihn nicht weiter behelligte. Aus dem Sturzbach von Verwün­schungen lohten die Worte hervor: ,, Du sollst an mich dereinst denken müssen! Du Schweinehund, Schweine­hund, miserabler."... Bald aber ward sein Brüllen schwächer, und die Wut erlosch in Mattigkeit und Grauen.

Der vernünftige Scharführer machte der üblen Szene, sich absichtlich taub stellend, ein Ende, indem er die erste Partie Bestrafter aufforderte, sich der zuletzt Abgenommenen anzunehmen, soweit sie selbst dazu imstande wäre. Sein brutaler Kollege bekümmerte sich, wie beschämt von dem Abschluß der Exekution, nur noch um die jaulenden Hunde.

So zogen die sechzehn Mann davon wie ein Rudel räudiger Köter nach einem Fußtritte, wie ein jämmer­licher Trupp invalider Marodeure.... Als sie derart über den verlassenen Appellplatz schlichen, sah ein Freund Berts, der Capo der Desinfektionskammer, zum Fenster heraus und kam spontan herbeigeeilt, um den Erschöpften zu sich hereinzuholen. Dieser Capo Pfeiffer war ein Mainzer Kind, ehemaliger Rennfahrer von Welt­ruf und wegen seiner kommunistischen Gesinnung bereits seit 1933 in Schutzhaft.

Er und einer seiner Leute führten Bert in die ruhige Kammer am äußersten Ende des Revierblockes und setzten ihn dort bequem neben den warmen Dampf­kessel, damit zugleich seine völlig schweißdurchtränkte Kleidung zu trocknen beginne. Als dies erste Samariter­werk geschehen war, lief der Capo zu seinem Kollegen Heyden ins Krankenrevier, um Salbe und Verband zu