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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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313
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... ach, es war zum Haarausraufen! Die Nägel bohrten sich vor Erbitterung tief ins Fleisch seiner Faust... aber rechtzeitig fiel ihm noch der Trost des Erasmus von Rotterdam ein, den er sich schon so oft vorgehalten hatte: ‚Schimpf, Schande, Beleidigung und Schmach sind Übel nur, so lange man sie als dies empfindet! Fällt das Empfinden weg, so fällt das Übel dahin....

Also wollen wir die Exekution mit einem Lächeln der Verachtung überstehen, beschloß er.

*

Nur sechzehn Mann, ein relativ winziges Straf- kommando war es, das der Lagerläufer Mörtl sammelte und vor das Haupttor führte. Nach einer reichlichen Stunde kam ein Scharführer heran, mit einem Bündel gelber Scheine in der Hand eben den Strafblättern. Es war zum Glück noch einer der vernünftigen SS.-Leute, die Dachau aufwies. Unwillkürlich atmete Bert auf, als er ihn sah. Von ihm war zu erwarten, daß er den Vollzug glimpflich verlaufen lassen würde.

Aber kaum war ihm diese Überlegung gekommen, als durch das Haupttor noch ein zweiter Scharführer kam und auf die Sträflinge zuging. Bert erkannte ihn sofort wieder: es war derselbe Bullenkerl, der damals bei Berts Einlieferung die Neuen mit der Gerte mißhandelt hatte.... Inzwischen verlas der erste Scharführer die Namen und ließ die Leute in der entsprechenden Reihen- folge antreten. Bert kam an neunter Stelle. Seine Capo- binde hatte er vorsorglich in die Tasche gesteckt.

Alsdann wurde abmarschiert, die Fahrstraße am großen Wirtschaftsgebäude hinunter bis zu dessen Hinter- front, wo eine kleine Eisentür Halt gebot. Der Begleiter schloß sie auf und ließ die Häftlinge eintreten. Nun waren sie im Vorhof des Bunkergebäudes, einem flachen, langen Bauwerke mit spaltartigen, vergitterten Luft- löchern. Hinter jedem von ihnen lag eine der finsteren Zellen und in einer derselben der schuldlose Stillfried.

Es kam Bert vor, als schlüge Todeskälte aus diesen