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gelenken vorzeigen zu lassen dann wußte der Betreffende, daß er eine Stunde Pfahl' erhalten habe als Bestrafung... oder der Häftling mußte seine, Unaussprechlichen' herunterlassen, das Hemd lüften und seine verehrlichen, posteriora' ans Tageslicht halten, was dann der untrügliche Beweis dafür war, daß er demnächst , über den Bock' gelegt werde, mit anschließenden drei Tagen Dunkelarrest... die eine Strafe war so übel und gefürchtet wie die andere.
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Bert kam an die Reihe. Der dicke Heyden legte die Strafblätter vor und ließ Bert die Hände vorweisen. Mit dem gleichen Augenblick wußte dieser, daß seine Strafe aus einer Stunde Pfahl bestand und da er es nun wußte, glomm ein dumpfer, fatalistischer Zorn in ihm auf gegen die Heimtücke, die ihn einer solchen Quälerei überlieferte.... Ja, sagte er sich, wenn mich jemand in der Totenkammer oder im Auto Tonis erwischt hätte, beides grobe Verstöße gegen die Lagerordnung bitte, kein Wort, ich müßte die Konsequenz aus meinem Verhalten ziehen! Aber eines solch lächerlichen Versehens wegen...?
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Ein paar unruhige Tage vergingen nach dieser Entscheidung. Jedes Interesse an der Arbeit war Bert natürlich genommen. Da trat der lange Blockschreiber eines Morgens auf ihn zu und verzog sein gutmütiges Schwabengesicht zu einer Miene voller Kummer. ,, Oberst, ich muß dir leider mitteilen, daß es schon heute losgeht mit deiner Strafe... es ist mir unverständlich, wieso schon so zeitig, aber besser ist es allemal, du hast die Schweinerei hinter dir--
Und als ihm Bert nichts erwiderte, sondern nur mit hartem, starren Blick, die Lippen zusammengepreßt, an ihm vorbeisah, legte er besänftigend die Hand auf dessen Schulter und schloß: ,, Also bleib' heute hübsch im Lager, gelt ja!"
Wie angewurzelt blieb Bert stehen und sah dem Davoneilenden nach. Da hätten wir es also und sicherlich wird heute Toni Seidl draußen am Kinderheim auf ihn warten, vielleicht gar in Begleitung von Iřina wieder


