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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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ein Capo der gemeldet wird... sehr erfreulich, das muẞ man schon sagen!"

Er sah auf den Meldezettel, den ihm der Lagerläufer vorlegte. ,, Aha, so ist das also! Ihr Spind ist wiedermal nicht in Ordnung gewesen?" fragte er in schärfster Kürze.

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, Gestatten, mein Spind ist in Ordnung und war bisher stets in Ordnung, nur auf dem Trinkbecher war ein Kaffeefleckchen, den ich bei künstlichem Licht in der Frühe nicht sehen konnte das ist alles!" ver­teidigte sich Bert.

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,, Dummes Zeug!" schrie der Koloß mit geheuchelter Erbostheit. ,, Also war es eben nicht in Ordnung das ist ein Skandal für einen Capo, verstanden?! Übrigens erinnere ich mich: Sie sind doch der Kerl, der als deut­scher Offizier die Juden in Schutz genommen hat- was? Na, da braucht man sich ja nicht zu wundern.... Ab­hauen! Rrraus!"

In seine Augen kam, während er so aufbrauste, ein grausames, gewalttätiges Leuchten. Und im nächsten Moment zeichnete seine Rechte schon mit dem Kopier­stift irgend etwas auf den gelblichen Bogen Papier , den ihm der Lagerläufer hinhielt.

Noch einmal wollte Bert etwas erwidern, doch Mörtl, der Läufer, winkte ihm ab. Jedes Wort ist vergeblich, es trägt dir nur einen neuen Anschnauzer ein, deutete seine Geste an... also meinetwegen Schluß, sagte sich Bert. Nennenswertes kann ja aus solcher Lappalie nicht entstehen vielleicht kommt schon Anton Seidls Inter­vention zu meiner Erlösung dazwischen.

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Aber schon drei Tage darauf, mit ungewöhnlicher Beschleunigung, mußte er seine Leute wiederum unter Hafner allein abziehen lassen und erneut mit einem Haufen übler Gesellen antreten, um sich dem Lagerarzt zu präsentieren, ebenfalls eine Maßnahme, die zur lächer­lichen Farce herabgewürdigt war.

Die ganze Tätigkeit des Arztes bestand nämlich darin, sich von jedem einzelnen Häftling, der vor ihn hintreten mußte, entweder die Hände samt Hand­