-
302
verlief allerdings der elektrisch geladene Stacheldrahtzaun und standen alle 200 m die zweistöckigen Wachtürme mit ihren drohenden Maschinengewehren noch ein wenig weiter jedoch, baute sich die schwarzgrüne Wand der Tannenbäume auf, ein erquickender Ruhepunkt für das Auge.
Mit der Zeit war der Bestand des Lagers wieder auf 12000 Mann angewachsen. Bis auf ein paar Blocks waren alle Baracken von SS.- Truppen geräumt und die Absperrung der Lagerstraße wieder aufgehoben worden, so daß die Häftlinge von neuem über ihre ganze Länge zirkulieren konnten.
Es wurde furchtbar heiß. Der Kies der Wege glomm in der Mittagssonne. Und jeden Abend versank das Gestirn in einem tiefen Bett von blaufarbenen Haufenwolken, aus denen es mitunter blitzte und grollte. Nur längs den Baracken verblieb ein Schatten von zwei Fuß Breite. In seinem Schutze lagerten sich während der Mittagspause die Häftlinge am Boden, mit dem Rücken gegen die Blockwand gelehnt wie alte Kater, die sich am warmen Ofen räkeln.... Einzelne haben sich rasch der Kleidung entledigt und trugen nur noch ein kleines Dreieck aus Taschentüchern um die Hüften. Auch der Blockfriseur hat sich luftig gemacht und seinen Schemel samt Arbeitszeug ins Freie gebracht, um seine Kunden bei frischer Luft zu bedienen.
-
Selbst den Henkermeister des Lagers hat die warme Sonne hervorgelockt aus seinem allseits verhaßten Bau, den alten, fröstelnden, rheumatischen Raubmörder Bernhardt! Seit kurzer Zeit hat er sich der Fülle seiner Geschäfte wegen- einen Gehilfen beigelegt, wobei seine Wahl auf einen Bibelforscher fiel... vielleicht war es der menschliche Kontrast, der ihn dazu verleitete- oder verspürte der alte Bösewicht plötzlich fromme Anwandlungen in sich?
Wie dem auch sei, jetzt spazierte er jedenfalls, von seinen drei Riesenkötern begleitet und die grausamen, wimperlosen Augen umherwandern lassend, gemächlich die Lagerstraße entlang... alles grüßte den gefürchteten


