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oder sonnte sich alles gemächlich bis um eins, einschließlich der Posten. Hernach ging es weiter bis kurz vor fünf Uhr. Bert pfiff zum Arbeitsschluß und ließ zurückmarschieren, alles in froher Stimmung nach vollbrachtem Tagewerk, alles wie eine große Familie im Verein mit den SS.- Posten warum ging es nicht überall und ständig so? Um wieviel besser wäre es für das Gut des Staates und das Wohl seiner Inhaftierten bestellt, wenn bei allen Nichtböswilligen Vernunft und Menschlichkeit walten würde!
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Eines Tages aber hatte Bert ein gänzlich unerwartetes Erlebnis hier draußen, das er sich nie hätte träumen lassen auf der noch halbfertigen Fahrstraße, die von einer Anzahl seiner Leute ebenfalls planiert wurde, kam plötzlich ein Auto angebraust, einer von den kleinen, aber leistungsfähigen DKW- Wagen. Er sprang in hohen Sätzen über die Unebenheiten des Weges hinweg.
Dem Kabriolett entstieg alsbald ein Herr mittleren Alters mit kurzem Henry- Quatre- Bart und temperamentvollen Bewegungen. Er war von kurzer Statur, gut angezogen, hatte ein breites, trinkfestes Gesicht und Augen voll nachsichtiger Güte.... Begleitet war er von einer nicht mehr jungen Krankenschwester in bräunlicher Tracht. Hafner hatte gerade Dienst und ging den beiden, die auf den Bauplatz zuschritten, entgegen. Es erwies sich, daß die Angekommenen der Baumeister und die künftige Leiterin des Kinderheimes wären.
Aber schon beim ersten Anblick kam es Bert von weitem so vor, als erinnere ihn die Erscheinung und das Gebahren des Architekten an seinen alten Freund und Jagdgenossen Anton Seidl aus München ... und als der Zivilist sich, in der Sonne stehend, umsah, wußte er, daß keine Täuschung mehr möglich sei.
Fast zu gleicher Zeit rief der Baumeister laut: ,, Wo ist der neue Capo, ihr Leute?" Da kam Bert von seit
wärts und sagte leise:
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