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,, Hier ist er, Toni, und er dürfte dir nicht ganz unbekannt sein!"
Dem Architekten gab es förmlich einen Riẞ in den Knien, als er den Obersten wiedersah, den er bisher nur in dem behaglichen Schwabinger Hause, dessen Erbauer er gewesen war, gekannt hatte- oder als wackeren Stammtischfreund oder frohen Jagdgesellen.
,, Mein Gott im Himmel!" stammelten seine Lippen, während die Augen vor Schreck aufgerissen waren. Da er ein wenig harthörig war, sprach er ziemlich laut und mit einem ungesuchten, natürlichen Pathos. ,, Dich, Bertie, dich festen, unerschütterlichen Menschen muß ich so- o wiedertreffen, so- o? Entschuldige meine Fassungslosigkeit, aber ich kann es einfach nicht begreifen...." Und den grauen Kopf schüttelnd setzte er hinzu:, Was denn wo leben wir denn, daß solche Dinge, solche Unausdenkbarkeiten passieren können? Im Reiche Dschingis- Khans oder unter Ivan dem Schrecklichen oder im 20. Jahrhundert... sage es mir?!" Nun gab Bert lächelnd zurück: ,, Fester Mensch sagst Du, Toni, sehr wahr! Wenn ich weniger fest gewesen wäre, so sähest du mich überhaupt nicht mehr...."
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Doch bevor er noch weiter sprechen konnte, war die Oberschwester auf dem weichen Waldboden unbemerkt näher gekommen und stellte sich neben den Baumeister, ganz überrascht, dem Gespräch zuzuhören. Ihren Brustlatz zierte eine runde Busennadel mit dickem Hakenkreuz in der Mitte, die spitze Nase eine hochmütig blitzende Brille vor ausdruckslosen Augen. Es war eine vertrocknete, nervöse Person von gelblichem Teint.
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,, Tja, aber" begann der Baumeister wieder. ,, Wie war denn das nur möglich? Was hast du denn verbrochen? Verzeih', wenn ich dich so aufdringlich frage, aber du siehst ja, ich bin einfach sprachlos-
,, Das ist nur allzu begreiflich, mein Lieber", besänftigte ihn Bert ,,, mir ginge es im umgekehrten Falle genau so... aber so rasch ist das nicht erzählt, nicht einmal angedeutet-
Da rümpfte die Nazischwester, deren braune Tracht


