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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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daß ein Verhängnis kommen wird, weshalb sie mir rieten, etwas Distanz zu nehmen, bis das Unwetter sich ver­zogen hat voilà tout, mon cher et ne rien plus!" Schnell- Max hatte ihn mit gesenktem Kopfe aus­reden lassen, was Bert bei des Capos imperativen Wesen ziemlich wunderte. Überhaupt schien auch er heute, ähnlich wie Bert selbst, in ungewöhnlicher Stimmung zu sein. Nach einer geraumen Pause sagte er, mit eigen­artigem Aplomb im Tonfalle:

,, So ganz falsch haben deine Einflüsterer jedenfalls die Lage nicht erkannt; sie scheinen recht genau orien­tiert zu sein. Vertraulich und nur zu dir gesagt, Oberst: ich sitze tatsächlich in einem Wurstkessel drin und sehe noch keinen Ausweg, der mich retten könnte, eine ver­flixte Geschichte, aber ich habe ja immer damit ge­rechnet... es kann jetzt nur noch Heyden gelingen, mich rauszuhauen, er ist ja quasi hieb- und stichfest hier..."

Wieder versank er eine Zeitlang in Nachdenken, bei welchem ihn Bert mit keinem Wort störte. Bis Max sich zusammennahm und ihm die Hand gab, dabei in fast herzlicher Weise gestand: ,, Du sollst jedenfalls nicht darunter leiden! Noch ist die Sache gegen mich nicht bei Tibbu- Tipp... er hat mich sogar gestern Abend gefragt am Bau, ob ich ihm einen Capo aus dem Nach­wuchse für ein gutes Kommando vorschlagen könne bis Ende dieser Woche und zwar für das nahezu fertige

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SS.- Kinderheim im Walde.

««

,, Oho, auch noch im Wald gelegen?" erkundigte sich Bert neugierig.

,, Ja, ich will dich gleich morgen in Vorschlag bringen! Das kannst du schon ruhig übernehmen, eventuell mit Professor Hafner als Helfer zur Seite- so hätte ich euch beide mit einem Schlage von meiner Seite!"

Das letztere warf er mit einem kurzen schmerzlichen Auflachen hin, so daß Bert ihn unwillkürlich ansah. Die flüchtige Grimasse des anderen ließ die Zerrissenheit ahnen, unter der dieser Sohn so guter, reicher Familie, der hochbefähigte Mensch litt und die ihn zügellos machte.