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Blechscheren und war entrüstet, daß sie sich so ver- zögert hatten.....„Ich bin doch nicht für euch allein da, verdammig nochmal!‘ knurrte er unwillig und schlug gleich wieder das Glasfenster zu.
Lachend drehte sich Max um und sagte, gutgelaunt über den geglückten Streich, der so recht seinem inneren Wesen entsprach: ‚‚Da siehst du es, Oberst, deinetwegen verdirbt man es mit seinen besten Freunden— nun komm zur Arbeit zurück!“
Bert schwieg noch immer. Einen Augenblick lang hatte er das Gefühl einer tiefen Entbehrung empfunden, daß er nicht mehr mit Ifina gesprochen hatte, Wich- tigeres, Lieberes... aber seine Gedanken waren ja durcheinander geschossen wie aufgeschreckte Möven. Dann aber.preßte er heftig den Arm des Capos, der neben ihm ging und ihn halb zufrieden, halb spöttisch musterte.
„Höre, Max“, sagte.er zu ihm in wärmstem, freund- schaftlichem Tonfalle. ‚‚Ich bin dir zu größtem Danke verpflichtet! Du hast dich selbst mächtig exponiert dabei— das macht alles wett, was ich dir bisher arg verdacht habe——
„Na, laß man“, wehrte der andere schlicht ab. ‚Ich
habe ja meinen Spaß dabei gehabt— ja, was tut man
nicht alles für die Liebe, selbst wenn sie einen nichts angeht— sie soll leben!“ lachte er auf. ‚‚Und glaube mir: ich bin sehr froh, auch mal was Gutes zu stiften, dir besonders gern, Oberst! Jedenfalls wird das der erste Fall dieser Art sein, schätze ich, daß sich ein Häftling im Lager mit seiner Braut trifft und sie küßt, solange Dachau besteht!‘
Jetzt mußte auch Bert zwangsläufig lachen.... „Wahrhaftig! Wenn die hochmögende Lagerleitung das wüßte—— lieber Himmel!“
„Eben das“, fiel der Capo ein,„ist die ständige Würze bei meinem Tun und ein wenig Genugtuung für das, was man uns antut... und nun kein Wort mehr darüber, wir sind am Bauplatz—— hier, trag’ die Blechscheren an ihren Platz.“


