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sechs Särge standen zum Fortschaffen in den Hauptraum zur Verfügung. Max nahm seinen Freund Heyden beiseite, klärte ihn flüsternd auf, was Berts Sache betraf und bekam es schließlich fertig, daß der brummige Dickwanst, seinem Spießgesellen zuliebe, einverstanden war, Bert den Gefallen zu tun, den er brauchte.
Max und er packten den ersten Sarg, die zwei Pfleger den zweiten an, Bert machte ihnen auf Geheiß die Glastür zum Hauptraum auf und ließ die Gefährten mit ihrer Last passieren, um über die Schulter der Sargträger hinweg einen Blick in den Nebenraum zu werfen. Endlich also! Der diensthabende Scharführer stand mitten im Raum und hielt eine Liste in der Hand, auf der er wohl die Namen der Toten verzeichnet hatte, die zur Verladung kommen sollten. Denn entsprechend der aufgemalten Nummern auf den Särgen strich er einzelne Positionen der Liste an und rief laut den dazugehörigen Namen auf, damit die anwesenden Parteien wüßten, ob ihr Verwandter dabei sei oder nicht.
Hernach trat er beiseite und warf die Liste auf einen kleinen Tisch am Fenster. Nun sah Bert: auf einer Holzbank unterhalb der hochliegenden, gelben Fenster saßen fünf Personen, durchwegs dunkel gekleidet, sowie ein Knabe von annähernd zehn Jahren. Die zweite von links war Iřina, in einem dezenten Kostüm von schwarzweißem Tuch, neben einer rundlichen Frau vom Typ der guterhaltenen Witwe, im Äußeren unverkennbar eine bayerische Kleinstädterin mit jenem bäuerlich verschmitzten Gesichtsausdruck, der diese Gattung kennzeichnet.... Sogleich traf beide ein kurzer, auffordernder Blick von Schnell- Max mit emporgezogenen Augenbrauen, ein Wink, der besagen wollte: Alles in Ordnung, geht ins Freie flink, flink!!
Iřinas Begleiterin verstand ihn sofort und stand auf. Ihr breitgedehntes, Heil Hitler!' als geflissentlicher Abschiedsgruẞ klang wie eine Blasphemie in dieser Umgebung. Sie nahm das Mädchen am Arm und zog es mit sich fort.
Iřina erschauerte sichtlich bei der Berührung durch


