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griffen eine der fertig gewaschenen Leichen, einen Mann mit jämmerlich verzerrten Gesichtszügen und klapper- dürrem Leib, nach den hervortretenden Backenknochen zu schließen ein Pole— legten ihn sans fagon in den kahlen Sarg, blank und bloß, so nackt, wie er einst, vor rund einem halben Jahrhundert, auf diese schnöde Welt gekommen war... hatte sich das gelohnt, möchte man seine Mutter fragen, die ihn mit Schmerzen geboren und in Sorgen großgezogen hat, hat sich das wirklich gelohnt, damit ihm hier in der Fremde solch ein Los zuteil werde?
Es galt jetzt, den Deckel— ganz dünnes Spaltholz— draufzusetzen und dem Capo, der einen leichten Hammer ergriffen hatte, die Nägel zu reichen, damit er die Särge zunageln konnte.
„So— genug! Vier Stück genügen vollauf!“ lehnte Max die Handvoll Drahtstifte ab, die ihm Bert reichte. Ein paar Schläge, und der Deckel saß notdürftig. Flink hatte Max von einem Podest die Kreide herunter ge- nommen und malte nun hinten und vorn auf die Schmal- seite des Deckels die Gefangenennummer des Toten auf, die er dem bewußten Kofferzettel an dessen großer Zehe entnahm—— fertig!
„Der nächste Herr bitte!“ lachte Max und weidete sich an dem angeekelten Ausdruck im Gesicht seines Helfers. ‚‚Ah bah, sei kein Frosch, Oberst, man gewöhnt sich an alles, gelt ja, Heyden?!“
Das Monstrum von Reviercapo hatte inzwischen ruhig weitergearbeitet, einen neuen Leichnam mit seiner Bürste bearbeitend. Max winkte dagegen Bert zu einem noch blutjungen Toten, der steil an der Wand lehnte, alle Zeichen eines letzten furchtbaren Schreckens im Gesicht. Der Schädel wies noch jene runde Apfel- formung auf, wie sie den Halbflüggen eigen ist, die Glieder nicht minder die zarte Form des Jugendlichen.
„Schau, den habe ich gekannt‘, flüsterte Max, ‚er lag in meiner Stube, ein Sudetendeutscher, flinker, sauberer Bursche. Sein Blockältester wollte ihn zu sich ins Bett nehmen— du verstehst mich!— der Junge


