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hielt sofort an, als er den Capo mit bedeutsamen Winken auf sich zukommen sah und flüsterte auf dessen leise Frage, wie es stände, zurück:
,, Alles in Butter, ich geh' noch zwei Tote holen- geht aber inzwischen ruhig hinein, Heyden ist gerade allein!"
,, Vorwärts!" befahl Max und zog Bert hastig mit sich, denn rückschauend sah er Tibbu- Tipp, von seinem Foxl begleitet, dem äußeren Lagertor zuradeln. Und der durfte sie beileibe nicht in die Totenkammer eintreten sehen. Also mußten sie wie ein geölter Blitz im Eingang verschwunden sein.
Dawas für ein Raum war das? Von zwei hohen Fenstern fiel auf den Arbeitsplatz Heydens ein blasses. Licht, das sich in den rötlichen Fließen am Boden und in den weiß gekachelten Wänden spiegelte. Links baute sich ein Haufen schwarz gestrichener Särge einfachster Art auf; rechts lag deren Inhalt gleichfalls übereinander gestapelt: nackte, steife Männer, frisch gewaschen. Eine der Leichen hatte der Capo gerade unter den Händen
Das Leitungswasser sprudelte munter auf den bläulich weißen Leib und von ihm herab auf den Boden, um in einem Ausfluß zu verschwinden. Das plätschernde Geräusch ließ den bürstenden Capo erst dann aufschauen, als die beiden Eindringlinge schon eine Minute lang hinter ihm standen. Der Anblick dieses Milieus: die brutale Sachlichkeit des Raumes, dazu das dicke Ungetüm von Kerl, der in seiner rötlichen Gummischürze und in seinen Holzpantinen die verblichenen Mitmenschen mit seinen groben Fleischerhänden bearbeitete, der Stapel von Leichen und der Haufen Särge auf der Gegenseite wäre des Pinsels eines Goyas oder Grecos würdig gewesen. Sie allein hätten vielleicht das unbeschreiblich Nüchtern- Grausige der Szene voll wiedergeben können.
Maxens Blick richtete sich auf die schmale Glastür, die in den Raum nebenan führte, wo die fertig geschlossenen Särge aufgestellt und in den Wagen geladen wurden. Dort saß der diensthabende Scharführer und
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