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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Max legte daraufhin seine Rechte auf Berts Schulter und schüttelte gequält den Kopf. ,, Nein, ich trinke nur, weil ich nicht aufwachen darf, weil ich mich betäuben muß zu Zeiten, wenn mich wieder das Elend meines zerstörten Lebens angrinst... laß, ich bitte dich, sprich nichts dazu... es kommt mitunter ganz plötzlich über mich, jetzt besonders häufig, seit du wieder um mich bist! Und dann gibt es kein Halten mehr bei mir, das ist das Schreckliche... ich muß mich dann einfach aus­toben und zwar an dem, der mir gerade am nächsten steht... nimm es nicht zu sehr krumm, Oberst, ich suche es ja wieder gut zu machen, denn ich will nicht zum Vieh werden ach, was ist das für ein Leben!" Plötzlich warf er die halb gerauchte Zigarette in eine Ecke und sprang wie von Furien gehetzt auf die Tür zu und schlug sie mit Vehemenz hinter sich zu.... Be­troffen und nichts Gutes ahnend ging Bert ihm nach. Wie verheerend der schlechte Alkohol in dem hoch­befähigten Menschen alle Elastizität, alles Geschick zur klugen Lenkung seiner Leute erstickte und die zügel­losen Triebe aus dem Schlamm seines Inneren emporhob, ward ihm an dem Vorfall nur allzu klar.

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Bald hernach kam es zu einem neuen Exzeẞ; irgend­ein Falott unter Berts, Grünen', den es mißgünstig ge­stimmt hatte, daß einer der Juden sich etwas ausruhen durfte, wies den Capo mit bedeutsamen Fingerzeigen auf den Holzstapel hin. Schnell- Max witterte sofort etwas, was ihm jetzt gelegen kommen konnte und fand zu seiner lebhaften Befriedigung den alten, matten Das Juden auf seiner Schubkarre eingenickt vor. schlummernde bleiche Greisengesicht sah so gebrechlich aus, als ob eine Berührung, ja ein Hauch es schon ver­nichten könnte.... Aber daß dieser als Isolierter es nie gewagt hätte, sich eigenmächtig aus der Reihe heraus­zustehlen, sondern hinter das Versteck gesetzt worden war, bezweifelte Max keinen Augenblick. Und gerade