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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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stechend böser Blick aus blutunterlaufenen Augen den kühnen Untergebenen traf.

Immerhin war die üble Szene damit zu Ende. Bert ließ mit ein paar Trostworten den Bibelforscher an einem stillen, sonnigen Winkel der Baugrube nieder­sitzen, damit er sich erhole, bis der Scharführer vom Frühstück zurückkäme. Was die Ursache seines Zu­sammenstoßes mit dem Capo war, hat er niemals heraus­bekommen. Wahrscheinlich war es so gut wie nichts. Dann wandte sich Bert dem Geräteschuppen zu, in dessen Tür er Max hatte verschwinden sehen, und trat in die kleine Plankammer ein, um sich hier unter vier Augen zu rechtfertigen.

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Max saß auf seinem Stuhl und winkte ihm, die Tür zu schließen, so gleichmütig, als ob er ihn erwartet hätte. Seine Stirn hielt er in die offene Hand gestützt und ächzte. , Verflucht nochmal!" brummte er. ,, Man verträgt einfach nichts mehr, ekelhaft geradezu! Gib eine Zigarette her, Oberst!" Und als Bert gutwillig den einen Glimmstengel, den er sich, auch gegen das Verbot, mitgenommen hatte, aus dem sorgfältigen Versteck einer Nähfalte seines Kittels hervorholte und für den Capo anbrannte, nickte dieser versöhnlich und stöhnte, scheinbar unter heftigen Kopfschmerzen:

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,, Wo ist der Kommandoführer?"- ,, Fortgegangen vor einer halben Stunde, anscheinend zum Frühstück ins Kasino!" Gut! Was schüttelst du dein weises Haupt, Oberst?" fragte er schon wieder mürrischer, als er den anderen vor dem Alkoholgeruch aus Maxens Atem unwillkürlich beiseite treten sah. Bert zuckte vielsagend die Achseln. ,, Du hast getrunken, Max?" fragte er mit eindringlicher Betonung.

,, Frag' mich nichts, Oberst, verstanden?! Und weich' mir heute aus, wenn ich dir raten soll... du siehst wohl, ich kenne mich selbst nicht mehr... ah, das Zeug wird immer erbärmlicher, pfui Teufel!" knirschte er und stand ächzend auf.

,, Dann lasse es doch lieber gänzlich sein, Menschens­kind das wirst du doch fertig bringen!"

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