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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Leute mit nur einem Arm, mit Beinprothesen oder inneren Schäden, Männer, die Bruchbänder trugen oder schwere Rheumatiker, denen aber das Stillestehen auf dem feuchten Rasen erst recht schaden mußte und reguläre, Zittergreise', wie der Ausdruck für schwäch­liche Geschöpfe im Lager lautete. Diese ließ man die krummen Nägel aus den Bauhölzern ziehen und gerade­klopfen oder umhergehen und das herumliegende Alt­material einsammeln, kein Geschäft, das sonderlich be­schwerlich war, weshalb sie auch die geringste Beauf­sichtigung erforderlich machten.

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Hier traf Bert auf seinen, Amtskollegen, den Pro­fessor Hafner, und fragte ihn: ,, Weißt du zufällig, wo unser Herr und Meister steckt?"

Hafner zuckte die Achseln und flüsterte: ,, Ich habe ihn auch schon längere Zeit nicht gesehen. Hoffentlich kommt er nicht, wie schon manches Mal, mit einem Rausche zu­rück, denn alsdann ist er völlig ungenießbar!"

Ungläubig sah ihn Bert an. ,, Das ist doch bloẞ ein Scherz von dir! Wo soll er sich denn im Lager einen Rausch holen können?"

Bedeutsam den Kopf schüttelnd, zog ihn Hafner am Arm mit sich fort. ,, Lieber Oberst, du weißt anscheinend noch nicht, wieviel, Dinge hier gedreht' werden! Du kennst doch den dicken Reviercapo Heyden, dieses Mastferkel? Das ist Maxens Intimus, und die beiden bilden ein geniales Zwiegespann, das an gemeinsamem Stricke zieht

"

Er blieb kurz stehen und deutete in der Richtung auf das Kasino. ,, Siehst du das niedrige, fast runde Ge­bäude? Das ist die Totenkammer. Dort legt Heyden jeden Morgen die Leichen des Vortages in die Särge und richtet sie für den Abtransport zum Krematorium in München her. Bei der Gelegenheit darf er sich aus dem nahen SS.- Lazarett beständig Alkohol in einer ganz ansehnlichen Flasche holen. Daß die Flasche aber zur Arbeit kaum geöffnet wird, kannst du dir denken, wenn du Heyden nur einmal gesehen hast..."

,, Allerdings", gab Bert zu. ,, Aber wie will er die