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zwischen den Schulterblättern angenäht werden. Unsere Annahme bestätigt schon der Umstand, daß Fluchtverdächtige den gleichen Punkt in Rot zu tragen hatten, ebenfalls vorn und zwischen den Lungenflügeln. Wer beide Punkte tragen mußte und das waren nicht wenige Häftlinge sah natürlich erst recht wie ein buntscheckiger Zirkusclown aus, obwohl gerade diese Kennzeichnung recht wenig Lächerliches, sondern unendlich viel Tragisches deckte.
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In die Strafkompanie kamen in Dachau ausnahmslos alle Juden, alle Bibelforscher mit ihrem violetten Dreieck, alle Emigranten mit blauen Dreieck, die Homosexuellen mit rosa Dreieck, weshalb sie auch die, Rosenkavaliere im Lager genannt wurden und schließlich alle Geistlichen beider Konfessionen, die meisten von ihnen mit rotem Abzeichen. Außerdem solche, die sich grobe Verstöße im Lager hatten zuschulden kommen lassen und schließlich solche, bei denen es die Gestapo als Verschärfung ihrer Strafe ausdrücklich in den Akten verlangt hatte. Die Verschärfung war beträchtlich: die , Isolierten', wie sie auch hießen, wurden in Baracken untergebracht, die von den übrigen Häftlingen streng getrennt waren durch hohe Extragitter und fest verschlossene Gittertüren. Sie durften weder die Kantine zum Einkauf von Kleinigkeiten benutzen, noch die Bibliothek, also auch nicht rauchen und nicht lesen, weder Briefe schreiben, noch Post empfangen, waren also ringsum von der Außenwelt und dem Wissen um deren Veränderungen ausgeschlossen. Sie hatten nie einen freien Tag, also weder das ständige Wochenende von Samstag Mittag an, wie alle anderen Häftlinge, noch selbst an hohen Feiertagen frei... man bedenke, was diese Brutalität gerade allen Geistlichen gegenüber bedeutete!
Und als ob dies noch nicht genügen würde, hatten sie auch eine besonders scharfe Überwachung und Antreibung bei der Arbeit zu erleiden, bei der ebenfalls vom Capo eines gemischten Kommandos, wie hier, darauf zu achten war, daß sie von den übrigen Gefährten nach


