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mit gelben und blauen Krokus bestickt ist, ziemlich außerhalb der begangenen Wege des Baues. Und in wenigen Tagen werden die Baumknospen erschlossen sein. Die sprossenden Kinderhände der Kastanien greifen nach den Fliedertrieben, die unversehens aufschießen. und schon die künftigen Blütenrispen erkennen lassen.
Mein Gott, dachte Bert bei sich, jemals auch nur ein Jahr lang den Frühling im Freien entbehren zu müssen, das dürfte von Rechts wegen nie gestattet sein. Bei niemandem und nirgends, weil es an Unmenschlichkeit grenzt! Bestimmt kann ich auf lange Frist alle Menschen entbehren, oft von Herzen gerne sogar; ich kann ohne Tiere sein, ohne weiteres aber ohne Blüten nicht, unter keinen Umständen. Sonst kranke ich innerlich und sterbe ab. Weil sie die Wurzeln und die Triebe meines Gefühlslebens sind... und weil sie die Sonne zu ihrem Dasein so notwendig brauchen wie auch ich!
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Bald hatte Bert herausgefunden, wo sich bei seiner Tätigkeit als Aufseher das wärmste Sonnenbad nehmen ließ. Er konnte ja stillstehen, die Hände bequem auf dem Rücken gefaltet, wenn er nur dabei seine beiden Kolonnen im Auge behielt. Eine halbhohe Betonmauer beim Bau bildete einen rechten, offenen Winkel auf die Sonne zu; die beiden Schenkel des Winkels warfen sich die Wärmestrahlen gegenseitig zu. In ihren Schnittpunkt stellte sich Bert, den Rücken gegen die Wand und überwachte von hier, unbedeckten Kopfes, den Zug der Sklaven, die er zu betreuen hatte.
Dies waren, wie gesagt, zwei verschiedene Gruppen: die eine stillstehend unweit von ihm bei der Arbeit, die andere in unablässigem Kommen und Gehen. Die letztere gehörte der Strafkompanie an, einer Einrichtung, die es in Flossenbürg nicht gab. Wer zu ihr kam, hatte am Kittel und an der Hose unter der Nummer und dem farbigen Dreieck noch einen geräumigen, schwarzen Punkt in weißer Umrahmung zu tragen, anzusehen wie eine kleine Schießscheibe und auch ohne Zweifel zum besseren Treffen der Schüsse gemünzt. Denn die kleine Scheibe saẞ in Herzhöhe und mußte auch auf dem Rücken


