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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Zimmerleuten antreten mußten, aus Betonierungen, für die Zement und Kies heranzuschaffen, zu mischen, zu wässern und in die Verschalungen einzustampfen war. Weiterhin aus sehr viel Erdbewegung, die bei dem moorigen Boden Dachaus nicht immer leicht auszu­führen war, und aus der Bergung des anfallenden Ma­terials, das angesichts der deutschen Kriegsverhältnisse mit Sorgfalt gesammelt und wieder gebrauchsfähig ge­macht werden mußte also Arbeiten vielfältiger Art genug.

An Bert, den er unter stillschweigender Billigung des Kommandoführers, der sich dabei eine Zigarette an­brannte, den Leuten als neuen Hilfscapo vorstellte, ver­gab Schnell- Max die Erdbewegung mit etwa 50 hölzernen Schubkarren, sowie ungefähr ebensoviel Leute für die Sammlung des Altmaterials und die Nägelklopferei. Für die erstere Arbeit, die anstrengend war, bekam Bert sämtliche, Schwarzpunkte' zugeteilt, das heißt: durch­wegs Männer von der Strafkompanie, deren Angehörige einen schwarzen Punkt tragen mußten. Für die Bergung des alten Schalholzes, der Baustützen, des Handwerk­zeuges und der verbogenen Nägel und Drahtschienen wurden die sogenannten, Halbtoten' herangezogen, jene Kategorie von Gebrechlichen, die das Leiden jeden Capos waren, weil sie eigentlich ins Lazarett oder in ein Altersheim gehörten, statt auf den tumultuösen Arbeits­platz. Aber man war halt hier in einem Kz­Lager, und wenn es gleich jeder Vernunft und Mensch­lichkeit Hohn sprach, sah Himmler eben selbst in solch einer auf dem Aussterbeetat stehenden Kreatur noch immer einen Staatsfeind. Dagegen war leider nichts zu machen!

Bert sah sich um, als er seine Kolonne einigermaßen in Gang gesetzt hatte-- und dankte Schnell- Max in der Tat für seinen guten Rat: das war ein Schaffen nach seinem Sinne, wenigstens bis jetzt!