Druckschrift 
Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
230
Einzelbild herunterladen

-

230­

hier handelte... es war nur eine Kleinigkeit bei seinen Beziehungen, die Sache zum Vorteil des Kranken und zu seinem eigenen Nutzen zu rangieren. Er gab Bert rasch und wie in alter Vertrautheit die Hand, nun ganz der Mann von Anstand und guter Familie. Dann er­kundigte er sich, an was Bert leide, nicht verfehlend, ihm gute Besserung zu wünschen und zu versprechen, ihn gleich zu besuchen, sobald Bert ins Bett gebracht worden sei. Bis dahin empfehle er ihn der Pflege seines guten Freundes Heyden, den er dabei mit einem ent­sprechenden Wink auf den riesigen Bauch klopfte. Und ein flüchtiges Lächeln des Einverständnisses flog von ihm zu Bert und zurück.

Nur eine halbe Stunde dauerte es während der Patient in einem guten Bett seine Wärmebehandlung erhielt, bis Schnell- Max an seinem Bettrand saß und nun, unbelauscht, offen auf sein Ziel zugehen konnte. Als er erfuhr, daß Bert in der Strumpfstopferei ge­arbeitet hatte, rümpfte er verächtlich die Nase.

,, Das ist doch nichts für dich als Oberst, Men­schenskind!" mäkelte er. ,, Alte Weiberröcke und Gicht­brüchige mögen sich da herumdrücken, wenn ihnen die Gesellschaft von braunen und grünen Spitzbuben angenehm ist. Außerdem müssen sie jetzt ständig mit strenger Filzerei, also peinlicher Durchsuchung ihrer Kleidung rechnen, nachdem die letzten Diebstähle der Grünen aufgeflogen sind... aber für dich ist das nichts! Über kurz oder lang fliegst du als Gesunder doch aus solchem Kommando heraus und kommst dann womög­lich in die Kiesgrube, das unangenehmste Kommando von allen...

,, Na gut", gab Bert zögernd zu ,,, aber was meinst du statt dessen?"

,, Ich meine, daß du sehen mußt, auch hier weiter­zukommen, wie ich es von meinem ersten Lagertage an getan habe. Wir sind doch mit unserer Vorbildung als alte Soldaten zum Leiter der stumpfsinnigen anderen berufen oder nicht?" betonte er mit überzeugendem Aplomb. ,, Und jetzt bei der schönen Jahreszeit, die

-