tor, das er durchfuhr, um Bert beim Aufnahmebüro abzusetzen.
Der übliche Gang, den wir schon kennen, spielte sich wieder ab, nur im Rücklauf und ohne die Vorsprache bei Tibbu-Tipp. Aber das bißchen Hin- und Herlaufen in mangelhafter Bekleidung während des stürmischen Regenwetters genügte schon bei Berts Anfälligkeit nach der Flossenbürger Ansteckung, um ihm eine akute Unterleibserkältung zu verschaffen. Dies, im Verein mit dem Münchener Attest, verschaffte ihm eine Ver- ordnung des Lagerarztes zur sofortigen Aufnahme im Revier.
So gut wie Alleinherrscher des Dachauer Kranken- reviers war der dicke Capo Heyden, den Bert schon von seinem Einlieferungstage her kannte, als er den toten Polen mit dem Kennzeichen um die große Zehe forttrug. Dem Capo war neben der abgebrühtesten Wurschtigkeit gegen alle Leidenden eine tiefe Abneigung gegen solche Lagergefährten eigen, welche besserer Herkunft waren; jener unbesiegbare Groll, wenn nicht gar Haß der Knechtsseele gegen Mitmenschen, die ihr geistig über- legen sind. Dementsprechend begann er sofort bei Durchsicht des Aufnahmescheines Berts gegen den ärzt- lichen Befund zu murren und mit groben Ausdrücken umherzuwerfen. Jeder Patient, der sich nicht seines Wohlwollens erfreute, hatte mit der erbärmlichsten Unter- bringung und Pflege zu rechnen——
Zum Glück für Bert aber stand neben dem pascha- haften Dickwanst ein besserer Bekannter von ihm und zugleich, eine nicht viel weniger einflußreiche Person unter den Häftlingen des Dachauer Lagers: Schnell-Max, sein ehemaliger Capo vom Ölberg, dem kleinen Stein- bruch in Flossenbürg... werkwürdigerweise hatten sich beide seit ihrer Rückkehr nach Dachau völlig aus dem Gesichtskreis verloren.
Ein rasches Aufleuchten in den klugen Augen des Capos verriet Bert zur Genüge, daß jener seinen früheren Versorger mit Rauchwaren nicht vergessen hatte und die Gelegenheit sofort begriffen hatte, um die es sich


