Druckschrift 
Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
228
Einzelbild herunterladen

-

228­

sam bearbeitet hatten, beiseite, als solle er ihn vor der Berührung durch Bert schützen. Und da dieser einen Schritt auf den Schreibtisch zu machte, hob der Ängst­liche abwehrend die Hand, wobei er stammelte: ,, Nein, nein, bleiben Sie dort, Oberst, wenn Sie krank sind- und Sie sind ja krank, wie ich hier lese! Werden Sie nur erst gesund, dann wollen wir weitersehen!" Ein Wink von ihm an den wartenden Beamten. ,, Führen Sie den Häftling wieder zurück, er kann sich sofort ins Bett. legen!"

Diese paar Sätze verrieten aber in dem Ton, in dem sie ausgesprochen wurden, so unverkennbar die nackte Furcht vor einer Infektion, daß Bert mit einem gering­schätzigen Lächeln sich der Tür zuwandte, ohne etwas zu erwidern.... Er sollte den Mann nie mehr wieder­sehen. Denn am nächsten Morgen fragte sein Schließer durch die Luke der Tür, ob er sich transportfähig fühle. Als eine bejahende Antwort kam, befahl ihm der Beamte, sich fertig zu machen, er werde ihn in einer halben Stunde nach Dachau zurückschaffen damit er Be­

scheid wisse!

-

Aha, das war freilich ein Effekt, wie ihn Bert nicht gerade beabsichtigt hatte. Also war es aus mit seinem Traume von einer Entlassung oder auch nur einem Be­suche seiner Lieben.... Wenn er zum Fenster hinaus auf die naẞglänzenden Asphaltflächen vor den Garagen oder die schwarz schimmernden Äste der Parkbäume sah, die der Wind schüttelte, so tat ihm die Trennung von dieser behaglichen Zelle aufrichtig leid. Aber nun war nichts mehr zu ändern- und bald war es auch geschehen. Ein fixer, neuer B.M.W.- Wagen stand im Hofe bereit. Niemand außer dem Fahrer, der den ärzt­lichen Bericht sorgsam in seiner Brieftasche barg, und Bert nahmen darin Platz- und frisch auf ging es wieder die wohlbekannte Straße hinaus. Das flache Land duckte sich unter Regenböen. Heftiger Sturmwind zer­fetzte die tief hängenden Wolkenfahnen und fegte die nassen Strähnen nahezu waagerecht vor sich her. Müh­sam kämpfte sich der Wagen seinen Weg bis zum Lager­