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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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CAPO SCHNELL- MAX.

Mit voller Absichtlichkeit wurde begreiflicherweise von der Lagerleitung verheimlicht, wie groß die Zahl der Opfer infolge der Seuche im Flossenbürger Kz war. Nur soviel erfuhren die, Roten ' wenigstens, daß von ihren tausend aus Dachau gekommenen Kame­raden nicht mehr als sechshundert noch arbeitsfähig waren. Entlassen wurde von ihnen aber lediglich Dr. Hickmeyer, der unvergleichlich tüchtige Arzt, als Dank für seine aufopfernde Mühewaltung. Also wenig­stens ein Zug von menschlicher Einsicht seitens der SS.

Allmählich ließen aber die Zugänge an Erkrankungen nach. Blutproben und Abstriche, die an Universitäts­institute gesandt wurden, ergaben negative Befunde- und so konnte das Ende der Quarantäne auf den 15. Fe­bruar 1940 festgesetzt werden. Mit diesem Termin lieẞ sich auch annehmen, daß die schärfsten Kältegrade vorüber sein würden.

Nur wollte es leider das Pech der Dachauer, daß dieser Winter ein geradezu exemplarisch strenger wurde. Bis Mitte März fror es jedenfalls in dieser rauhen Gegend noch Stein und Bein.... Das machte den Beginn der Arbeit angesichts der Rekonvaleszenz der meisten Häft­linge zwar bedenklich, aber der Lagerleitung brannte ja der Ausfall an Lohngewinn schon unter den Nägeln. Deshalb nur munter hinein in die Steinbrüche, sagte sie sich, und kräftig aufgepaßt auf die Kerls, daß sie sich flott bewegten; dann wird schon keiner mehr von ihnen wagen, wiederum krank zu werden punktum!

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Und gleich setzte beim ersten Abendappell auch die beliebte Bastonade wieder ein, ausgiebiger noch als sonst, als wollte das knirpsige Lagerbiest sich entschädigen für die lang entbehrte Stillung seiner Lüste. Wieder mischten sich die Jammerschreie der Geschlagenen in das Gegröhle irgendeines dummen Liedes, das von zweitausend heiseren Kehlen, halb zugeschnürt vor Erbitterung, möglichst , zackig gebrüllt werden mußte.

Die Blöcke traten wieder im Morgendunkel an, mar­