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ähnlich einem Grandseigneur des Barocks beim Lever: wie fabelhaft elastisch seine Haut noch wäre und wie er einen geradezu jugendlichen Eindruck mache und sofort Schmeicheleien, deren Gegenwert entweder bald in Form eines reichlichen Nachschlages bei der Kostausteilung einkassiert wurde oder die auf spätere Rücksichtnahme des Henkers bei einem eventuellen Strafvollzug in Dachau - womit ja jeder Einzelne stets rechnen mußte, abzielten.
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Bert und seine Freunde beteiligten sich bei diesen Ovationen um den Gefürchteten natürlich nicht, sondern blieben für sich und lasen in der Zeitung erhielten hierdurch begreiflicherweise keine günstige Nummer bei ihm, ein Faktum, das sich rächen sollte, wie wir sehen werden. Ab und zu kamen Geheilte aus dem Revier zurück und berichteten über die dortigen Zustände und einzelne Todesfälle bekannter Dachauer. Vorläufig war noch kein Nachlassen der Seuche zu bemerken.... Jeden Vormittag riẞ der Blockschreiber die Stubentür auf und brachte mit der Briefpost auch neue Zeitungen mit herein, desgleichen Neuigkeiten aus dem Lager. Zumeist war er von dem kurzen Stück Weg und dem bißchen Warten am Tor zum inneren Lager derartig mit Reif bedeckt und verfroren, daß er im warmen Zimmer erst auftauen mußte.... ,, Oh ihr Faulenzer", rief er mit Vorliebe dabei aus. ,, Wie wird euch in Kürze der Steinbruch wieder schmecken!"
War aber Meister Bernhard in übler Laune, vor allen Dingen, sobald ihn sein Rheumatismus wieder plagte, so schikanierte er die Stubeninsassen nicht viel anders, als der Blockteufel es vor der Quarantäne beliebt hatte. Er ließ die Belegschaft der Stube stundenlang stillstehen, unter den Tischen durchkriechen, mucksmäuschenstill sein oder nach Kommando Kniebeugen machen-- und ähnliche kindische Äußerungen eines ungehemmten Machtdünkels mehr.... So war immerhin dafür gesorgt, daß die Bäume des Wohllebens nicht in den Himmel wuchsen. Und das große Rad der Zeit dreht sich ja immer weiter, was auch geschehen mag.


